Zitate: Rhythmus

Und hat das Kind das neunte Lebensjahr vollendet, dann bekommt es bis zum zwölften Lebensjahre hin erst ein Verständnis für Rhythmus und Takt an sich, für das Melodiöse an sich. Es will jetzt nicht mehr so stark das Rhythmische, das Taktmäßige im Innern nachbilden; es faßt es als solches, als Gebilde, das außer ihm steht, auf. Vorher erlebt das Kind Rhythmus und Takt; nachher fängt es an, Verständnis, Auffassungsgabe dafür zu entwickeln. Das dauert, nicht nur dem Musikalischen, sondern allem gegenüber, was ihm in der Welt entgegentritt, bis gegen das zwölfte Jahr hin

Rudolf Steiner (1861-1925), aus: Die gesunde Entwickelung des Menschenwesens

Alles Tun braucht Rhythmus. Wie das Leben zwischen Polaritäten verläuft und dadurch ein sich wiederholender Rhythmus entsteht, der uns gesund erhält, so braucht das Kind im Unterricht einen Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe, zwischen Zuhören und Eigentätigkeit, zwischen chorischer Gemeinsamkeit und Einzelarbeit, zwischen voller Wachheit und träumendem Eintauchen in Bilder. So entsteht ein Ein- und Ausatmen der Seele, die den Leib einmal stärker, einmal schwächer ergreift. Die Kunst besteht darin, an den Kindern abzulesen, was sie gerade brauchen.

Georg Kniebe

Das Künstlerische erzeugt den Hunger nach den richtigen Körperbewegungen... je mehr der Lehrer Freude hat an allem Künstlerischen der Form, je mehr der Lehrer inneres Wohlgefallen hat an allem Künstlerischem des Musikalischen, je mehr der Lehrer Sehnsucht danach hat, das abstrakt prosaische Wort in den Rhythmus der Dichtung überzuführen, je mehr Plastisch-Musisches in ihm selber steckt, desto mehr wird er dasjenige, was er das Kind vollbringen lässt im Raume als Spiele, als Körperübungen, so einrichten, dass sie ein künstlerisches Ausleben des Kindes sind...

Rudolf Steiner, aus: Gegenwärtiges Geistesleben und Erziehung, 7. Vortrag

Wer sich aus der Anschauung des geistig-seelischen die Wirklichkeit zur Erkenntnis bringen kann, sieht, wie im melodiösen Element der Sprache weiterwirkt die Geschicklichkeit - nicht die fertige, sondern die Anstrengung, die das Kind macht, um jene Geschicklichkeit zu erwerben, die unsere Hand beim Greifen ausübt. Was Rhythmus der Sprache ist, drückt sich aus in der Art, wie die Füße aufgesetzt werden, in den Gehbewegungen. Es ist sehr bedeutungsvoll zu beobachten, ob das Gehenlernende Kind zuerst mit den Fersen, den Ballen oder den Zehnen auftritt. Aus der Sprache wächst heraus, was aus dem Menschen herausschießt als kindliches Denken, Gehen, Sprechen...

Rudolf Steiner, aus: Drei Etappen des Erwachens dermenschlichen Seele, Vortrag v. 28. 4. 1923, Prag, abgedruckt in: Die menschliche Seele in ihrem Zusammenhang mit göttlich-geistigen Individualitäten

Gib der Welt, auf der du wirkst, die Richtung zum Guten, so wird der ruhige Rhythmus der Zeit die Entwicklung bringen.

Friedrich Schiller

Der Rhythmus hat etwas Zauberisches, sogar macht er uns glauben, das Erhabene gehöre uns an.

Johann Wolfgang von Goethe

Jeder rhythmische Vortrag wirkt zuerst aufs Gefühl, sodann auf die Einbildungskraft, zuletzt auf den Verstand und auf ein sittlich-vernünftiges Behagen. Der Rhythmus ist bestechend.

Johann Wolfgang von Goethe

So wie die Pausen eben so gut zum musikalischen Rhythmus gehören als die Noten, eben so mag es auch in freundschaftlichen Verhältnissen nicht undienlich sein, wenn man eine Zeitlang sich wechselseitig mitzuteilen unterläßt.

Johann Wolfgang von Goethe

Einige von den Alten nannten den Rhythmus das männliche, die Melodie das weibliche Prinzip.

Aristides Quintilianus

Jahreszeiten, Tageszeiten, Leben und Schicksale sind alle, merkwürdig genug, durchaus rhythmisch, metrisch, taktmäßig. In allen Handwerken, und Künsten, allen Maschinen, den organischen Körpern, unsren täglichen Verrichtungen, überall: Rhythmus, Metrum, Taktschlag, Melodie. Alles, was wir mit einer gewissen Fertigkeit tun, machen wir unvermerkt rhythmisch. Rhythmus findet sich überall, schleicht sich überall ein. Aller Mechanism ist metrisch, rhythmisch. Hier muß noch mehr drin liegen. - Sollt' es bloß Einfluß der Trägheit sein?

Novalis, 1772-1801, aus: Fragmente, Von der geheimen Welt

Ich werde tanzen lernen. Ich kannte bisher nur die Weisheit des Hauptes und der Gedanken. Nun weiß ich, dass es auch eine Weisheit der Hände und Füße gibt. Der Rhythmus ist Maß, und Maß ist Sittlichkeit. Ein schöner Rhythmus des Leibes muss notwendig des Menschen ganzes Wesen mit Sinn und Liebe für schönes Maß erfüllen.

R. Hamerling, 1830-1889, aus: Aspasia

Rhythmisch gestaltete Sprache in solcher Art erlebt wirkt ordnend in die Tätigkeit der Gliedmaßen.

Christa Slezac - Schindler aus: Künstlerische Sprache

Studentenarbeit aus dem
Lehrerseminar Hamburg