Zitate: Sprache

Man soll alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.

Johann Wolfgang von Goethe

Der Mensch wird universeller, wenn er verschiedene Sprachen lernt. Die feineren Organisationen der Völker fließen aus der Sprache hervor.

Rudolf Steiner (1861-1925), aus: Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis. Die Erziehung des Kindes und jüngeren Menschen

Sie werden die Erfahrung machen, daß das den Kindern wirklich große Freude macht, wenn sie miteinander durch Konversation in der betreffenden Sprache sich unterhalten (...) Da muß die Geistesgegenwart des Lehrers ihre ganz besonderen Dienste tun. Da müssen sie wirklich die Schüler vor sich fühlen wie einen Chor, den Sie zu dirigieren haben, aber noch mehr ins Innere hinein, als ein Dirigent sein Orchester zu dirigieren hat.

Rudolf Steiner, 1861-1925, aus: Methodisch-Didaktischer Kurs, 10. Vortrag

Man ist nicht darauf gekommen, dass alle Dinge der Welt auf den Menschen einen Gefühlseindruck machen. ... Es ist die Sprache in dieser Weise in dem menschlichen Gefühl begründet. Sie stehen zur ganzen Welt in Gefühlsbeziehung und geben der ganzen Welt solche Laute, welche die Gefühlsbeziehung in irgend einer Weise zum Ausdruck bringen. - Diese  Dinge hat man eben gewöhnlich sehr äußerlich genommen. Man glaubte, man ahmt in der Sprache nach, wenn das Tier bellt oder brummt. ... Diese Theorien haben das Gefährliche, dass sie Viertelswahrheiten sind. Indem ich den Hund nachahme und „Wauwau" sage - darin liegt die Nuance, die im „au" zum Ausdruck kommt - versetze ich mich damit in seinen Seelenzustand. Nicht im Sinne dieser Theorie, sondern auf dem Umwege durch die Versetzung in den Seelenzustand des Hundes wird der Laut gebildet.

Rudolf Steiner, 1861-1925, aus: Allg. Menschenkunde 2. Vortrag

Auf diese Weise haben wir die Sprache erkannt als eine Beziehung des Menschen zum Kosmos. Denn der Mensch für sich würde bei Bewunderung, Staunen stehen bleiben; erst seine Beziehungen zum Kosmos rufen Bewunderung, Staunen zu demjenigen auf, was lautet.

Rudolf Steiner, 1861-1925, aus:  Allg. Menschenkunde 2. Vortrag

Wir verdanken vieles in unserem Ich-Gefühl, dass wir uns als Persönlichkeit fühlen, gerade der Sprache. Und es kann sich schon im Menschen sogar bis zu etwas wie Gebetsstimmung das Gefühl erheben: Ich höre sprechen in der Sprache um mich her, da fließt die Kraft des Ich durch die Sprache in mich hinein! - Haben Sie dieses Gefühl von der Heiligkeit des Aufrufens, des Ich durch die Sprache, dann werden Sie es auch durch die verschiedenen Maßnahmen bei den Kindern erwecken können. ...wenn man es richtig erweckt, wirkt es zur Anfachung des Willens, geradezu zur Selbstlosigkeit, gerade zum Leben mit der Außenwelt.

Rudolf Steiner, aus: Erziehungskunst, Methodisch - Didaktisches, 4. Vortrag, GA 294

Das Rezitieren trägt tiefer in die menschliche Wesenheit hinein, schafft auch tiefer aus ihr heraus, ergreift ebenso die ganze Blutzirkulation wie den Atem.

Rudolf Steiner, aus: Die Kunst der Rezitation und Deklamation, Vortrag vom 7. 6. 1922, Wien

So bereitet sich doch in der Sprache des Klassenchors Atemkraft vor und nähert sich dem Einschwingen in das Verhältnis, das Atem und Puls zueinander haben und das uns im Versmaß der Griechen, dem Hexameter, repräsentiert: Drei Daktylen, Zäsur, drei Daktylen.

Christa Slezac-Schindler, aus: Künstlerische Sprache

... gegen das zwölfte Lebensjahr, und darauf müssen wir sehen, soll das Kind ein Gefühl für die Schönheit der Sprache, ein ästhetisches Empfinden gegenüber der Sprache entwickelt haben, und es soll sich auch bemühen, gegen das zwölfte Jahr hin  in einem vernünftigen Sinne wieder so zu sprechen, was man nennen könnte „schön sprechen".

Rudolf Steiner, aus: Die gesunde Entwicklung des Leiblich-Physischen als Grundlage der freien Entfaltung des Seelisch-Geistigen, 12. Vortrag

Jede Sprache ist gleichsam ein Behältnis der eigensten Begriffe eines Volkes.

Friedrich Gottlieb Klopstock

Wer seine Sprache nicht achtet und liebt,
kann auch sein Volk nicht achten und lieben.

Ernst Moritz Arndt , 1769 - 1860

Ein geistigeres und innigeres Element als die Sprache hat ein Volk nicht. Will ein Volk also nicht verlieren, wodurch es Volk ist, will es seine Art mit allen Eigentümlichkeiten bewahren, so hat es auf nichts mehr zu achten, als daß ihm seine Sprache nicht verdorben und zerstört werde.

Ernst Moritz Arndt, 1769 - 1860

Für ein Volk ist seine Sprache etwas Besonderes. In ihr wohnt sein ganzer Gedankenreichtum an Tradition, Geschichte, Religion und Grundsätzen des Lebens, sein Herz und seine Seele. Die Sprache, in der ich erzogen bin ist meine Sprache. So wie ein Kind alle Bilder und neuen Begriffe mit dem vergleicht, was es schon weiß, so paßt unser Geist insgesamt alle Sprachen der Muttersprache an. Sie behält er auf der Zunge, damit er nachher desto tiefer in den Unterschied der Sprachen eindringe. Sie behält er im Auge, daß, wenn er dort Lücken entdeckt, er den Reichtum der seinen, liebgewinne und ihre Armut, wo es sein kann, mit fremden Schätzen bereichere. Sie ist der Leitfaden, ohne den er sich im Labyrinth fremder Sprachen verirrt. Nicht um meine Sprache zu verlernen, lerne ich andere Sprachen, sondern ich gehe bloß durch fremde Gärten, um für meine Sprache Blumen zu holen.

Johann Gottfried Herder, 1744 - 1803

Aus dem Wahrnehmen der bedeutungsvollen Sprache entwickelt sich die allgemeine Menschenliebe als Grundlage der Ethik.

Rudolf Steiner

In der Sprache, die man am schlechtesten spricht, kann man am wenigsten lügen.

Hebbel, aus: Tagebücher

Die Sprache ist gleichsam die
äußere Erscheinung des Geistes
der Völker. Man kann sich
beide nicht identisch genug denken.

Wilhelm von Humboldt, 1767 - 1835

In der Sprache, mit der man geboren, welche die Väter gesprochen, denkt man sein ganzes Leben lang, so fertig man eine andere spricht; und dies anders zu wünschen, die Sprache, in der man sein Geheimstes denkt, vergessen zu wollen, zeigt, wie tief man getroffen ist und wie sehr man gerade diese Sprache liebt.

Gottfried Keller

Die unmittelbare Wirklichkeit des Gedankens ist die Sprache.

Karl Marx, 1818 - 1883

Lerne jeden Tag Verse in der Sprache, die du nicht beherrschst.

Leo Tolstoi

Ein Zeichen sind wir, deutungslos.
Schmerzlos sind wir und haben fast
Die Sprache in der Fremde verloren.

Friedrich Hölderlin, Mnemosyne, 2. Fassung, 1789

Unter all diesen Beziehungen, welche der Mensch zur Außenwelt hat, ist die allerwichtigste das Atmen... Das Atmen ist der wichtigste Vermittler des die physische Welt betretenden Menschen mit der physischen Außenwelt... Das Kind kann noch nicht innerlich richtig atmen, und die Erziehung wird darin bestehen müssen, richtig atmen zu lehren.

Rudolf Steiner, aus: Allg. Menschenkunde, 1. Vortrag, GA 293

 

Die Sprache ist unser Geisterantlitz, das wir wie ein Wanderer in die unabsehbare und unausdenkbare Landschaft Gott unablässig weiter hineintragen.

Christian Morgenstern

Der Werwolf

Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!
 
Der Dorfschulmeister stieg hinauf
auf seines Blechschilds Messingknauf
und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
geduldig kreuzte vor dem Toten:
 
"Der Werwolf" - sprach der gute Mann,
"des Weswolfs, Genitiv sodann,
dem Wemwolf, Dativ, wie man's nennt,
den Wenwolf, - damit hat's ein End."
 
Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
er rollte seine Augenbälle.
Indessen, bat er, füge doch
zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!
 
Der Dorfschulmeister aber musste
gestehn, dass er von ihr nichts wusste,
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch "Wer" gäb's nur im Singular.
 
Der Wolf erhob sich tränenblind -
er hatte ja doch Weib und Kind!!
Doch da er kein Gelehrter eben,
so schied er dankend und ergeben.

Christian Morgenstern

Für eine gelungene Rede gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.

Arthur Schopenhauer

Den Stil verbessern - das heißt den Gedanken verbessern und nichts weiter.

Friedrich Nietzsche

Das menschlichste, was wir haben, ist doch die Sprache.

Theodor Fontane

Kinder müssen erst die Sprache der Dinge beherrschen, bevor sie die Sprache der Wörter lernen.

Friedrich Froebel, aus: Pädagogik des Kindergartens, 1895

Du hast so viele Leben, wie Du Sprachen sprichst.

Tschechisches Sprichwort

Jede neue Sprache, die wir lernen, ist ein Zuwachs an neuen Erlebnissen.

Hermann Hesse

Ein guter Spruch ist die Wahrheit eines ganzen Buches in einem einzigen Satz

Theodor Fontane

Die Gewalt einer Sprache ist nicht, dass sie das Fremde abweist, sondern dass sie es verschlingt.

Johann Wolfgang von Goethe

In der Sprache, die man am schlechtesten spricht, kann man am wenigsten lügen.

Friedrich Hebbel

Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht
das, was gemeint ist. So kommen keine guten Werke zustande.
Also dulde man keine Willkür in den Worten.

Konfuzius, 551 - 479 v. Chr.

Wir wohnen nicht in einem Land, sondern in einer Sprache.

Emile Cioran