Bildnerisches Gestalten

"Der,
der mit seinen Händen arbeitet,
ist ein Arbeiter.
Der,
der mit seinen Händen und mit seinem Kopf arbeitet,
ist ein Handwerker.
Der,
der mit seinen Händen, seinem Kopf und seinem Herzen arbeitet,
ist ein Künstler."
          Franz von Assisi

Neben der Musik, der Sprache und der Eurythmie als künstlerische Tätigkeiten im Waldorfkindergarten haben die plastisch/bildnerischen Betätigungen eine große Bedeutung. Kinder sind „geborene Künstler" und stehen gleichsam mit ihrem tätigen Schaffen mitten in der Welt, schreiten freudig zur Tat und tauchen direkt und unbewusst in das Wesen der Dinge ein, während sich das ältere Kind und später der Erwachsene eher in der Rolle des Zuschauers und Kritikers wiederfinden.

Die pädagogische Kunst besteht darin, die Kinder zum bewussten Verstehen der Welt hinzuführen, ohne dass die schöpferischen Kräfte und die Gestaltungskräfte der Kinder verloren gehen. So sind alle künstlerischen Tätigkeiten unschätzbare Mittel, dies zu erreichen. Der gesamte waldorfpädagogische Ansatz ist ein künstlerischer. Durch die Vielfalt der Sinneseindrücke kann die bestmögliche Integration der Wahrnehmungsinhalte stattfinden, wodurch die Grundvoraussetzungen für die Schulfähigkeit gefördert werden.

Farb- und Formerlebnisse

Das Malen

Das Malen und Zeichnen auf Papier mit Wachsstiften bzw. Wachsblöcken findet meist im Freispiel ganz selbstverständlich statt. Die Stifte, mit denen im Waldorfkindergarten gemalt wird, enthalten einen hohen Bienenwachsanteil als Bindemittel. Die Farben entfalten eine starke Farbkraft.

Wachsmalstifte

In vielen Waldorfkindergärten erleben die Kinder außerdem regelmäßig einmal wöchentlich das Aquarell-Malen (Wasserfarben-Malen). Hier wird mit flüssigen Farben gearbeitet. Das Malpapier wird hierfür angefeuchtet, auf Holzbretter gezogen und von den Kindern mit Hilfe von Borstenpinseln bemalt. Bei diesem Nass-in-Nass-Malen steht das zufällige oder gewollte Ineinanderfließen der Farben im Vordergrund. Die Kinder erleben die Farb- und Formqualitäten, und es ist erstaunlich, welch schöne Farbkompositionen allein mit den Grundfarben Gelb, Rot und Blau zu erreichen sind - auch ohne vorgegebener Themenstellung. Gerade im Winter, wenn die Bäume ihre Blätter verloren haben und die Blumen nicht mehr blühen, haben die Kinder hierdurch die Möglichkeit zu starkem Farberleben.

Aquarellfarben

Die Bilder, die entstehen, zeigen Themen, die die Kinder beschäftigen. Sie bringen zu Papier, was in ihnen lebt, ich welcher momentanen Stimmungslage sie sind und auf welchem körperlichen und seelischen Entwicklungsstand die Kinder sich befinden. Die Erzieherinnen fordern die Kinder extra nicht zum Zeichnen und Malen mit Wachsstiften auf, und die entstandenen Bilder werden auch nicht an die Wände gehängt, da gerade beim kleinen Kind vor allem der Prozess des Malens das Wesentliche ist, nicht das Ergebnis. Die Bilder werden in der Regel in schönen Mappen gesammelt und am Jahresende den Eltern ausgehändigt.

Werken mit Holz

Vor allem im Garten können die Kinder mit Holz bauen, spielen aber auch ab einem gewissen Alter mit Hilfe verschiedener einfacher Werkzeuge Holz bearbeiten. Sie schnitzen, sägen, hobeln und erleben, wie sich das Material durch ihre Tätigkeit verwandelt.

Erstes Handarbeiten

Vor allem im Vorschuljahr können Tätigkeiten wie Filzen, erstes einfaches Nähen und Sticken im Waldorfkindergarten durchgeführt werden - und zwar für Jungen und Mädchen gleichermaßen. Auch Fingerhäkeln und -weben ist sehr beliebt.

Plastische Betätigungen

Arbeiten mit Bienenwachs (Wachsknete), Lehm und Ton ergänzen das Angebot an künstlerischen Tätigkeiten. Die Bienenwachsknete hat die Eigenart, dass sie sehr hart ist und erst durch die Warme der Hände formbar wird. Die Kinderhände werden gut durchblutet und der Bienenwachsduft wirkt wohltuend auf den Geruchssinn.

Bienenwachsknete

Es wird getöpfert, kleine Basteleien werden hergestellt wie z. B. ein Osterschälchen oder eine kleine Krippe aus Bienenwachs in der Weihnachtszeit. Auch das Kerzenziehen in der Adventszeit gehört dazu. Die verschiedensten Naturmaterialien bieten sich zur Gestaltung an. Auch im Sandkasten entstehen die schönsten Bauten und Formen.


Das Geheimnis der Kinderbilder

Wissenschaftler auf der ganzen Welt versuchen seit vielen Jahrzehnten, dem bildlichen Ausdruck des Menschen und seiner Bedeutung auf die Spur zu kommen. Dabei fanden sie heraus, dass es besonders bei Kinderzeichnungen kulturübergreifende Gemeinsamkeiten gibt. Sowohl in der Darstellung von erlebten Situationen als auch in der Form des Ausdrucks. Die Übereinstimmungen sind so groß, dass es kein Zufall sein kann, wenn Kinder »so oder so« malen.

Lesen Sie mehr unter: Erziehungskunst November 2010


Wenn kleine Kinder kritzeln …

Von Christiane von Königslöw, Januar 2014

Christiane von Königslöw hat ihren privaten Kindergarten im eigenen Haus in einen »Mal- und Spielort« für Groß und Klein umfunktioniert. Sie berichtet von ihrer Mal-Arbeit mit kleinen Kindern und zeigt dabei überraschende Korrespondenzen zur modernen Malerei auf...

Hier zum Artikel: Wenn kleine Kinder kritzeln, Erziehungskunst Jan14


Fragen an Kinderzeichnungen

Von Ulrike Staudenmaier, Oktober 2015

Vergleicht man die Veränderungen von Kinderzeichnungen über einen gewissen Zeitraum, sieht man gleichsam der »Landung« des Kindes auf der Erde zu. Vom anfänglichen »Körperbild« gehen die Zeichnungen zur Darstellung von Gesehenem und Vorgestelltem über. Der Frage, was sich in diesen Darstellungen ausdrückt, geht Ulrike Staudenmaier nach.

Weiter hier: Fragen an Kinderzeichnungen, Erziehungskunst Okt15


Malen - Wie es sich entwickelt und wie Eltern ihr Kind dabei unterstützen können

Schon kleine Kinder malen gern. Sie sind fasziniert, wenn sie mit einem Wachsblöckchen oder -stift übers Papier fahren und dabei Spuren hinterlassen. Das Gewirr von Linien, die sich kreuz und quer übers Blatt ziehen, und die daraus entstehenden wilden Knäuel sind ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der kindlichen Ausdrucksformen.

Weiter unter: spielundzukunft.de - Malen


Zitate: Bildende Kunst

"Mit Kindern Malen"

von Freya Jaffke