Sprachkompetenz und Musikerziehung

1.) Sprachkompetenz

Für ein Volk ist seine Sprache etwas Besonderes. In ihr wohnt sein ganzer Gedankenreichtum an Tradition, Geschichte, Religion und Grundsätzen des Lebens, sein Herz und seine Seele. Die Sprache, in der ich erzogen bin ist meine Sprache. So wie ein Kind alle Bilder und neuen Begriffe mit dem vergleicht, was es schon weiß, so paßt unser Geist insgesamt alle Sprachen der Muttersprache an. Sie behält er auf  der Zunge, damit er nachher desto tiefer in den Unterschied der Sprachen eindringe. Sie behält er im Auge, daß, wenn er dort Lücken entdeckt, er den Reichtum der seinen, liebgewinne und ihre Armut, wo es sein kann, mit fremden Schätzen bereichere. Sie ist der Leitfaden, ohne den er sich im Labyrinth fremder Sprachen verirrt. Nicht um meine Sprache zu verlernen, lerne ich andere Sprachen, sondern ich gehe bloß durch fremde Gärten, um für meine Sprache Blumen zu holen.
                      Johann Gottfried Herder (1744 - 1803)

Die Sprache ist das Mittel, um mit anderen Menschen in Beziehung zu treten und seine Gedanken und Gefühle zu äußern. Kinder beginnen ganz individuell mit dem Sprechen, aber sie brauchen die Erwachsenen als gute Vorbilder, um sich die Sprache auch anzueignen.

Neben dem häuslichen Umfeld ist der Kindergarten vor allem der Ort, an dem die Kinder ihre Sprachkompetenz erwerben. Daher wird im Waldorfkindergarten viel Wert gelegt auf alles, was diese fördert: Verse, Reime, Fingerspiele, die direkte Ansprache durch die Waldorferzieherinnen, aber auch die Kommunikation der Kinder untereinander, vor allem im freien Spiel.

Mehr dazu:

Sprachentwicklung, Sprachförderung

Sprachkompetenz (Online Handbuch)

Sprache in Verbindung mit rhythmischen Bewegungen und auch mit Musik - Lieder, Reigen, Eurythmie - haben einen positiven Einfluss auf die Sprachkompetenz.  So lernen die Kinder, ganzheitlich mit der Sprache umzugehen. Dazu gehört auch das tägliche Erzählen oder Vorlesen von Märchen und sinnvollen Geschichten, was zur späteren Lesefreude motivieren kann. Der Erzieher spricht dabei liebevoll und deutlich und der Altersstufe angemessen. Durch die Wiederholung der Geschichten etc. über einen gewissen Zeitraum hinweg wird das Sprachgedächtnis der Kinder geübt und sie werden zum Mitsprechen ermutigt.  Dadurch dass das gesprochene Wort oft mit Bewegungen begleitet wird, tritt eine Stärkung des Sprachrhythmus ein und die Ausdrucksfähigkeit wird verbessert. Der Sprachschatz der Kinder wird erweitert, indem die Erzieherinnen das gemeinsame Tun mit den Kindern mit Worten begleiten, Dingen, die benutzt werden, mit unterschiedlichen Begriffen fach- und sachgemäß benennen, selber eine wortreiche und  bildhafte Sprache verwenden, aber auch durch das tägliche Mittun und Mitsprechen und die Gelegenheit, sich immer wieder in Ruhe auszusprechen.

Mehr dazu:

Märchen im Kindergarten

Lieder und Reime

Lieder und Kinderreime aus aller Welt

Fingerspiele  

Tafelbild von H. Kullak-Ublick

Neben den vielen Gelegenheiten im Tageslauf, frei zu erzählen, haben die Kinder auch viele Gestaltungsmöglichkeiten durch den Schwerpunkt des Rollenspiels. Sehr bald lernen die Kinder, dass Sprache notwendig ist, um sich mit den anderen zu verständigen, in Kontakt zu treten - dass aber ebenso wichtig ist, Zeit zum Zuhören zu haben.

Das Zusammenwirken von Gehen, Sprechen und Denken kann man an der Entwicklung des Kindes eindrucksvoll erleben. Lesen Sie hierzu mehr unter:

Erziehungskunst: Gehen - Sprechen - Denken

Die Dimension Mehrsprachigkeit

Gerade in einem interkulturellen Waldorfindergarten ist es besonders wichtig, dass die deutsche Sprache als Begegnungssprache gefördert wird, aber die verschiedenen Muttersprachen der Kinder geachtet und einbezogen werden. „Der Sprachrespekt vor jeder Muttersprache ist das oberste Gebot der interkultuellen Pädagogik", so Elke Schlösser, Diplom-Sozialarbeiterin und Autorin. Sie fährt fort: „Die freie Wahl der Familiensprache folgt der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen. Die Achtung vor der menschlichen Würde zieht die Achtung der individuell gewählten Sprache unmittelbar nach sich." Um später einmal die deutschen Bildungswege erfolgreich absolvieren und an der Gesellschaft teilhaben zu können, sind Deutschkenntnisse wichtig. Gerade durch  Lieder, Reime, Fingerspiele sowie Märchen und Geschichten bietet sich die gute Möglichkeit, die anderen Kulturen und Sprachen in den Kindergartenalltag zu integrieren.

Zweisprachigkeit macht das Gehör empfindlicher

Das Gehirn von zweisprachigen Menschen jongliert ständig mit verschiedenen sprachlichen Reizen. Der Hirnstamm verarbeitet dann grundlegende Laute effektiver...

Lesen Sie weiter unter: Die Welt, 01.05.12


Keine Identität ohne Sprache

Von Nurtac Perazzo, Marie-Luise Sparka, Gerrit de Jong, Juli 2012

Sprache ist von elementarer Bedeutung für die Bildung der kindlichen Identität. Der Berliner Soziologe Lothar Krappmann geht davon aus, dass Identität vor allem über die Sprache vermittelt wird. Die Kinder konstruieren ihr Bild von der Welt mittels Sprache.

Erziehungskunst Juli12 - Keine Identität...


Zweisprachige Erziehung: Schon Säuglinge können Grammatik unterscheiden

Von Thomas Wagner-Nagy

Wie können bilinguale Babys scheinbar mühelos zwei völlig verschiedene Sprachen erlernen? Eine Studie hat ergeben: Sie nehmen Laute anders wahr als einsprachige Kleinkinder. Schon im Alter von sieben Monaten achten sie auf Rhythmus und Melodie des Gesprochenen.

Lesen Sie den ganzen Artikel: Spiegel online vom 15.02.13, Zweisprachige Erziehung


Wie mehrsprachige Erziehung gelingt„Daddy, gibst du mir die milk, please?“

Weltweit ist Einsprachigkeit eher eine Ausnahme in Familie. „Daddy, gibst du mir die milk, please?“ Für Kinder, deren Mütter oder Väter ausländische Wurzeln haben, ist ein bunter Sprachenmix häufig Alltag. Manche einsprachigen Eltern wollen ihr Kind möglichst früh fördern. Forscher untersuchen, wie die mehrsprachige Erziehung gelingt.
Lesen Sie den Artikel hier: Focus vom 13.05.13


von Lisbeth Wutte

Der Mensch ist ein sprechendes Wesen, mit anderen zu kommunizieren ist ein Grundbedürfnis. Sprachpflege und Sprachförderung nehmen daher in der Elementarpädagogik einen besonderen Stellenwert ein. In der aktuellen bildungspolitischen Diskussion kommt der Sprachförderung häufig nur im Zusammenhang mit dem Abbau von „Defiziten" Bedeutung zu. Sie ist aber weit mehr.
Sprache verständnisvoll aufnehmen und sich selbst, mit Freude und Kompetenz mitteilen zu können, ist eine grundlegende
Fähigkeit, die unser weiteres Leben prägt. So gibt das Buch Orientierungen im Bereich Sprache allgemein, in der Erweiterung des eigenen Sprachhandelns und in der frühkindlichen Sprachpflege und -förderung.

Es ist erschienen in der Edition Waldorf im Verlag der Pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen.
Es kostet 13,00 ¤ und ist im Fachbuchhandel über die ISBN-Nr. 978-3-940606-15-0 zu beziehen.

Freunde werden im Sprachbad

In der "Erziehungskunst" vom Oktober 2010, die sich dem Thema Sprechen und Sprache widmet, findet man einen Bericht von Christoph Doll von der Interkulturellen Waldorfschule in Mannheim. Christoph Doll gehörte zu den Lehrern, die die Interkulturelle Waldorfschule Mannheim aufbauten. Er ist inzwischen Dozent am Waldorflehrerseminar Berlin. Eine Besonderheit der Mannheimer Schule ist das »Sprachbad«, durch das die Kinder in Herkunfts- und Begegnungssprachen eintauchen. Die pädagogische Wirksamkeit dieses Bades ist mittlerweile empirisch untermauert.

Lesen Sie den Artikel unter:  "Freunde werden im Sprachbad"

Buchtipp: Die verborgenen Wirkungen der Sprache im Kindergarten

Martin Georg Martens und Sabine Schäfer

Womit gehe ich um, wenn ich spreche, und was bewirkt meine Sprache im Kind? Dieser Frage gehen Martin Georg Martens und Sabine Schäfer nach. Sie machen das Sprachgut bewusst, mit dem ErzieherInnen und Eltern umgehen, und sie verdeutlichen die Wirkungen der Sprache in den Geschichten und Versen. Dadurch werden die pädagogischen Kunstgriffe möglich, mit denen man die Sprachmittel gezielt in jeder Situation einsetzen kann. - Die Autoren betrachten die im Volksgut überlieferten Sprüche in gleicher Weise wie die neueren Sprachschöpfungen. Ihre Ausführungen regen zu eigenen dichterischen und sprachkünstlerischen Versuchen an.
Für alle Erwachsenen, die mit Vorschulkindern zu tun haben, enthält es eine Fülle von Anregungen.

Link: Die verborgenen Wirkungen...


2.) Musikerziehung

Die Bedeutung für die frühkindliche Erziehung liegt auf der Hand. Wenn ein Löffelchen Mozart ein Kind vielleicht auch nicht zu einem besseren Mathematiker macht, so gibt es doch kaum Zweifel, dass ein regelmäßiger Kontakt mit Musik, insbesondere die aktive Teilhabe an Musik, die Entwicklung diverser Gehirnareale stimulieren kann - Areale, deren Zusammenwirken beim Hören oder Spielen von Musik unerlässlich ist. Für die weit überwiegende Zahl der Schüler kann Musik pädagogisch ebenso wichtig sein wie Lesen und Schreiben.
           Oliver Sacks, aus: Der einarmige Pianist - Über Musik und das Gehirn

Musik fördert die Entwicklung des Kindes - eine Tatsache, die inzwischen auch von der Forschung erkannt wurde. Die Sprach- und Musikerziehung haben seit eh und je im Waldorfkindergarten einen hohen Stellenwert, und gerade das musikalische Element ist im ersten Jahrsiebt von großer Bedeutung, gehört zum Kindergartenleben hinzu und wird regelmäßig gepflegt.

Musik berührt die Gefühle und kann tiefe Bereiche ganz ohne Worte erreichen. In der Kindergartenzeit werden besonders pentatonisch gestimmte Instrumente verwendet. Die Kinderharfe ist ein gern eingesetztes Instrument. Die pentatonische Stimmung und die Klangqualität schaffen eine unaufdringliche Stimmung, die die Aufmerksamkeit der Zuhörer erreicht und so zu einer aktiven Ruhe führt. Die Pentatonik lässt jede Melodie harmonisch klingen und offen für eine Fortsetzung bleiben. In vielen Waldorfkindergärten musizieren die Kinder im letzten Kindergartenjahr einmal in der Woche gemeinsam mit  Kinderharfen.

Die Musik wird in Liedern und Tänzen durch die Bewegung zum Ausdruck gebracht. Die rhythmische Gestaltung der Wochen, Monate und Jahre sowie der Jahresfeste geben viel Raum für das Musikalische in dem die Kinder den Reichtum von Musik, Bewegung und Sprache erleben. Diese wiederkehrenden Tätigkeiten, Spiele und Feste kann das Kind immer wieder neu erfahren und vertiefen. Das gibt dem Kind innere Ruhe und fördert eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung.

Mehr unter:

Lieder und Reime

Singen, sprechen, tanzen, klatschen, laufen, sich bewegen, alles was Kinder von sich aus gerne tun, wird genutzt, um die Kindergartenkinder mit musikalischen Zusammenhängen bekannt zu machen. Gerade im Rhythmischen bietet sich vieles an: Singen, Klatschen, Stampfen, Triangel, Klangstäbe, Xylophon, Klangschalen und alles, was sinnvoll genutzt werden kann.

Durch die Musik bekommen die Kinder die Möglichkeit sich auszudrücken, neue Erfahrungen zu machen, sich zu entspannen und die Melodien und Rhythmen schätzen zu lernen. Musik rührt an das seelische Empfinden und ermöglicht über die Grenzen der Sprache hinweg eine Verständigung unter den Kindern, was gerade im interkulturellen Kindergarten von unschätzbarem Wert ist.

Es wird bereits im Morgenkreis gesungen und Lieder zu den Jahreszeiten und aus den verschiedenen Kulturen gepflegt, außerdem werden Lieder als Ritual zum Aufräumen, zum Hinausgehen und zum Abschiednehmen genutzt.

Mehr dazu unter:

Lieder und Kinderreime zu den Jahreszeiten

Frühlingslieder

Osterlieder

Sommerlieder

Herbstlieder

Winterlieder

Wiegenlieder


Liedsuche 

 Auf der Internetseite "Kinder wollen singen" - mit freundlicher Genehmigung der Initiative für Kindergärten und Vorschulerziehung.

"Die Idee hinter kinder-wollen-singen.de ist es, eine einfach zu bedienende Webseite zu erschaffen auf der Anwender mit wenigen Klicks einzelne Lieder oder eben ganze Liedgruppen exportieren können. Die Notenblätter auf dieser Webseite können beliebig oft gedruckt, vervielfältigt und verwendet werden!"

Anlass

Jahreszeit


Der Reigen ist ein wichtiges, immer wiederkehrendes Element und schult den Gleichgewichtssinn, den Tastsinn, den Eigenbewegungssinn und den Hörsinn. Jeder Reigen hat ein festes Thema, welches abhängig sein kann von der Jahreszeit und den Festlichkeiten. Mehr hierzu finden Sie unter:

Was ist der Reigen im Waldorfkindergarten?

Und noch einmal möge Oliver Sacks zu Worte kommen:

Jede Kultur kennt Lieder und Reime, die Kindern beim Erlernen des Alphabets, der Zahlen und anderer Reihen helfen sollen. Noch als Erwachsene sind wir begrenzt in unserer Fähigkeit, solche Folgen zu behalten, wenn wir keine Gedächtnisstützen verwenden - und die besten Hilfsmittel dieser Art sind Reim, Versmaß und Lied. Unter Umständen müssen wir heute noch innerlich das „Abc-Lied" singen, um uns das Alphabet zu vergegenwärtigen, oder auf den alten Schulvers zurückgreifen, um alle Nebenflüsse der Donau aufzusagen. Für jemanden, der musikalisch ist, kann bewusst oder unbewusst eine riesige Informationsmenge in Liedform verpackt sein.


2.) Die Heilkraft des Singens

Von Wolfgang Bossinger, Mai 2013

Singen kann heilend wirken, es kann den Alltag beleben, es kann einen Übergang bilden zur geistigen Welt. Sein umfassendes Spektrum entwickelt Wolfgang Bossinger, Musiktherapeut und Begründer von »Singende Krankenhäuser«, mit einem Blick auf die Naturvölker und die Möglichkeiten und Bedeutungen des Singens für Kinder und Erwachsene unserer heutigen Zeit...

Weiter: Erziehungskunst Mai 2013, Die Heilkraft des Singens


Das schönste Instrument. Wer im Kindergarten singt, fördert alle Sinne

Menschen, die singen werden bewundert. Singen ist ein Mittel, um Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Popstars werden gefeiert, Operndiven bejubelt. Viele lassen sich den ganzen Tag mit populärer Musik berieseln, die vom Gesang lebt, aber nur wenige trauen sich, noch selbst zu singen...

Lesen Sie weiter unter: Erziehungskunst Juni 2010


Musikalische Früherziehung beginnt an der Wiege

"Erziehungskunst", von Ingrid Weidenfeld, Juli 2010

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit musikalischer Früherziehung zu beginnen? Müssen Kinder mit spätestens drei Jahren an ein Instrument herangeführt werden? Und wie sieht diese Früherziehung aus? Ähnliche Fragen stellen sich heute fast alle Eltern, die sich für ihre Kinder einen Zugang zur Musik wünschen. Die Musikpädagogin Ingrid Weidenfeld gibt Antwort.

Lesen Sie den ganzen Artikel hier.


Forschung - Erziehung durch Musik

Die Forschung zur Musikerziehung von Kleinkindern steckt noch in den Kinderschuhen, doch die stimulierende Wirkung ist ununumstritten. In Frankfurt startet der neue Studiengang „Musik in der Kindheit".

Lesen Sie unter: Frankfurter Rundschau vom 26.08.10


Singen mit Kindern "Erziehung beginnt mit dem Abendritual"

Hans Bäßler, Vizepräsident des Deutschen Musikrats, unterstützt das "Wiegenlieder"-Projekt auf ZEIT ONLINE. Im Interview erklärt er, warum Kinder mehr singen sollten.

Lesen Sie mehr unter: "Wiegenlieder"-Projekt"

                         und: Wiegenlieder - Kinder sollen singen!


Kinderlieder "Singen vermittelt sich nicht über eine App"

Warum sind Kinderlieder so wichtig für die Entwicklung der Kleinen? Der Musikpädagoge Hans Bäßler ist überzeugt von der unmittelbaren und emotionalen Wirkung des Singens...

Zum Artikel: Die Zeit - Kinderlieder, Interview


Thema: Kinderlieder

Die Zeit veröffentlicht jede Woche ein Kinderlied. In jeder Folge finden Sie in dieser neuen Kinderlieder-Serie die Lieder zum Nachsingen mit Noten und Audio-Datei zum kostenlosen Download.

Hier geht es zur Seite: Die Zeit - Kinderlieder-Serie

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