Umgang mit Medien

Die sich entwickelnde Gesundheitslage schon in der frühen Kindheit ist besorgniserregend. Neben vielen anderen Faktoren der Bedingungen, unter denen die Kinder heute aufwachsen, hat auch die ausufernde Nutzung der Medien daran ihren erheblichen Anteil. Es stellt sich also die Frage, wie man damit umgehen kann - vor allem bei Kindern im Vorschulalter -, ohne die moderne Technik einfach nur zu verteufeln.

Medienkompetenz

Medienkompetenz im richtigen Alter ist auch in der Waldorfpädagogik ein Ziel. Wodurch nun entsteht eine wirkliche Medienkompetenz? Nicht durch häufige Mediennutzung in der frühen Kindheit, sondern dadurch, dass das Kind ganz andere Kompetenzen erwerben kann, die einem späteren Kompetenzerwerb vorausgehen müssen.

Später in der Waldorfschule wird viel Wert darauf gelegt, dass Medienkunde und Computerunterricht angemessen stattfinden, aber die Waldorfpädagogik lehnt es entschieden ab, diese Medien bereits im Kindergarten als pädagogische Mittel einzusetzen. Dies möge nicht als Medienfeindlichkeit verstanden werden, sondern man möchte versuchen, die spätere Medienkompetenz bestmöglich Wirklichkeit werden zu lassen.

Es ist ungleich wichtiger, gerade das kleine Kind und auch das Schulkind mit einem möglichst breit angelegten Spektrum an Fähigkeiten ins Leben zu schicken. Das erste „Medium", das dem Kind dabei von An­fang an hilft, ist der Erwachsene, der ihm lebendig vorlebt, was richtig und wichtig ist, der ihm den Zugang zur Welt durch das gesprochene Wort öffnet und durch sein Interesse Begeisterung weckt. Neben den Eltern obliegt diese Aufgabe anfangs vor allen den Kindergärtnerinnen oder Kindergärtnern, später übernehmen auch die Lehrerinnen und Lehrer diese Rolle.

Auch im Waldorfkindergarten werden die Grundlagen gelegt, damit die Kinder später Medienkompetenz entwickeln können: Für Kinder ist es absolut nötig ihre Sinnesorgane zu entwickeln, und um dies effektiv zu tun, müssen die verschiedensten Wahrnehmungsqualitäten ausgebildet werden. So kann ein Kind lernen, Geruch, Geschmack, Aussehen und  Klang eines Gegenstandes wahrzunehmen und zuzuordnen. Hierdurch entsteht vernetztes Denken, das die  Heranwachsenden und Erwachsenen heutzutage benötigen.

Mehr zum Thema: Sinnespflege

Computer - Wann und warum er Kindern schadet

Meret, sechs Jahre, sitzt vor dem Computer und füttert im virtuellen Bauernhof seltsam gackernde Hühner. Ein echtes Huhn im Hühnerpark, einen Hahn auf dem Misthaufen und eine schwarz gefleckte Kuh hat sie bisher in natürlicher Umgebung noch nicht gesehen, geschweige denn gehört, gerochen oder angefasst...

Durch diese grundlegenden Sinneserfahrungen, die im täglichen Leben und im Kindergartenalltag ganz natürlich gemacht werden, nutzen und gestalten die Kinder „ihre Medien" selbst:  Sie haben ihre Bücher zur Freude und Entspannung, aber auch zur Information, sie stellen eigene kleine „Bücher" her, mit denen sie sich den anderen mitteilen...

Lesen sie weiter unter: Computer, aus: Spiel und Zukunft

Keine Computer und Fernseher im Waldorfkindergarten

Auch in Bezug auf die Medien wie Fernsehen, Computer, etc. versucht die Waldorfpädagogik Kinder eher zu bewussten Gestaltern ihres Medieninteresses als zu indifferenten Konsumenten der Medien zu erziehen. Da weder das Fernsehen noch Computerspiele für Vorschulkinder durchschaubare Tätigkeiten sind, wie es beispielsweise das o. a. Puppentheater ist, können sie nur sehr einseitig - wenn überhaupt - zur Entwicklung der Sinne beitragen. (Elektronische Medien sprechen häufig nur einen oder zwei Sinne an, anstatt den ganzen Menschen.) Und dies ist ganz unabhängig von den angebotenen Programmen und Inhalten.

Auch die natürliche Freude an der Bewegung, die den kleinen Kindern inne ist, wird durch das lange Stillsitzen eingeschränkt. Aus diesen Gründen - es gäbe sicherlich noch andere anzuführen -   werden Computer und Fernseher im Waldorfkindergarten nicht zu finden sein.

Die Kinder sollten zunächst die Möglichkeit bekommen, sich in die reale Welt hineinzuleben und echte und direkte Erfahrungen, z. B. in der Begegnung mit den Elementen Erde, Wasser, Luft und Licht zu machen. Das kann durch keinen Film ersetzt werden. Auch in dem unmittelbaren Kontakt mit den anderen Menschen erlebt das Kind so viel Richtungsweisendes wie Aufmerksamkeit, Zugewandtheit, Sympathie und Lebendigkeit, erfährt echte Begegnung beispielsweise beim Erzählen von Märchen und Geschichten, was die schönste Märchencassette nicht ersetzen kann. Nur so kann das Kind auch einen natürlichen Kontakt zur Welt entwickeln.


Die Umgebung

Achten wir auf angenehme, ruhige Umgebung im Kinderzimmer und auch in den Räumen, in denen sich die Kinder tagsüber aufhalten.

Radio- und Fernsehbetrieb überschwemmt das kindliche Bewußtsein, auch dann,wenn die Kinder vermeintlich ohne sich daran zu stören, schlafen. Das Unterscheiden von Wirklichkeit und Fiktion, fällt dem Erwachsenen oft schwer, Kindern ist es schlicht unmöglich.


Weiterführende Links

 Medienkompetenz - was ist das eigentlich?

Von Edwin Hübner, Dezember 2009

Mit einem Computer umgehen zu können, setzt eine Vielzahl von Kulturtechniken voraus, die am besten dort gelernt werden können, wo Medien keine Rolle spielen - selbst eine Tafel nicht.

Link: Erziehungskunst, Dez. 2009

Studie: Zuviel Fernsehen schadet Kleinkindern

Wer Kleinkinder fernsehen lässt, muss damit rechnen, dass sich das schlecht auf ihre Entwicklung auswirkt. Zehnjährige Fernsehkinder sind dicker und schlechter in der Schule als ihre Altersgenossen.

Link: Frankfurter Rundschau vom 03.05.10

Webportale für Vorschüler: Daddeln statt krabbeln?

Ki.Ka Alles so bunt hier: kikaninchen.de soll Vorschüler ansprechen. Kommerzielle Anbieter buhlen im Internet schon längst um die Gunst der Jüngsten. Nun startet auch KI.KA, der Kinderkanal von ARD und ZDF, ein Webportal für Vorschüler. Medienerziehung für Dreijährige - muss das sein?

Link: Focus vom 17.05.10


Literatur zum Thema

"Wirkung technischer Medien auf die Entwicklung des Kindes: Die Erfahrung hat gezeigt, dass das heute so weit verbreitete Fernsehen für die Entwicklung des Kindes erhebliche Störungen mit sich bringen kann: Konzentrationsschwache, Lähmung der Eigentätigkeit, Schlaflosigkeit, Angst, Unruhe bis hin zu dissozialen Verhaltensweisen. Da derart beeinflusste Kinder gleichzeitig die ganze Kindergartengruppe in Mitleidenschaft ziehen, sind wir darauf angewiesen, dass unsere Eltern die negativen Auswirkungen des Fernsehens sehr ernst nehmen und entsprechend konsequent handeln. Dies gilt auch für die Wirkung anderer technischer Medien wie Radio, Kassetten, CD, Gameboy, Computer, Video, DVD, Kino u. ä..."

Alternativen zum Medienkonsum

Das Fragezeichen im Titel deutet schon an, dass es keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen geben kann. Wir alle sind Teil einer technisierten und digitalisierten Welt, die unsere tägliche Arbeit, unseren Alltag und unsere Freizeit immer mehr durchdringt und mit virtuellen Inhalten füllt. Die entscheidenden Fragen sind also, wie wir mit dieser Entwicklung umgehen und welche Gegengewichte wir setzen. Neun Beiträge mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten regen an, sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen - von der kulturgeschichtlichen Abhandlung zur Entstehung virtueller Welten über aktuelle Ergebnisse der Medienwirkungsforschung bis zur Erlebnispädagogik als Alternative zum Medienkonsum. Dabei geht es dem Herausgeber des Buches und... [mehr]


Weitere Artikel zum Thema

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Sollen wir unsere Gewohnheiten im Gebrauch mit dem Handy, dem Fernseher und dem Computer wegen eines Babys umstellen? Maria Luisa Nüesch vom Verein Spielraum-Lebensraum e.V. in der Schweiz plädiert für einen sorgsamen Umgang mit Aufmerksamkeit verschlingenden Technologien... Lesen Sie weiter unter:

Erziehungskunst, September 2010

Computer - Wann und warum er Kindern schadet

Meret, sechs Jahre, sitzt vor dem Computer und füttert im virtuellen Bauernhof seltsam gackernde Hühner. Ein echtes Huhn im Hühnerpark, einen Hahn auf dem Misthaufen und eine schwarz gefleckte Kuh hat sie bisher in natürlicher Umgebung noch nicht gesehen, geschweige denn gehört, gerochen oder angefasst.

Mehr: spielundzukunft.de - Computer

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Hier geht es zum Artikel: Die Welt vom 30.11.10

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Jeder weiß es: Fernsehen macht dumm – besonders Kinder. Aber wir machen nicht Ernst mit unserem Wissen. Fernsehen gehört zum Lebensalltag. »Das bisschen wird schon nicht schaden«, sagen sich viele Eltern. Von wegen, meint der Waldorferzieher Philipp Gelitz...

Weiter hier: Erziehungskunst Mai 2012


Mut »unliked«

Von Henning Kullak-Ublick, September 2015

Am 30. Juni 2015 haben Deutschlands Vierzehnjährige durchschnittlich 201 Minuten fernge­sehen, knapp dreieinhalb Stunden. Die Fünfzigjährigen liegen mit 291 Minuten, also knapp fünf Stunden im Jahresdurchschnitt 2014, noch darüber. Und ja, die Jugendlichen verbringen noch mehr Zeit vor anderen Bildschirmen. Aber hier geht’s nicht ums Fernsehen. Es geht um Mut. ...

Mehr: Mut "unliked", Erziehungskunst Sept15


01.04.17

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Von Peter Hensinger, April 2017

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Von Manfred Spitzer, April 2017

In Baden-Württemberg erschien eine Broschüre vom Landesmedienzentrum, in der jedes Mitglied einer Durchschnittsfamilie über ein digitales Endgerät verfügt. Im Vorwort der Kultusministerin wird dies als Fortschritt hervorgehoben. Ein Bild zeigt: Die Kinder sitzen Rücken an Rücken und »spielen« mit ihren Handys. Ein anderes Bild: Zwei Kinder sitzen beim Essen vor dem Fernsehapparat.

Die neuen Lernkiller - Erziehungskunst April 2017


Zitate: Medien

"Der gefrorene Blick" von R. Patzlaff