Zitate: Herbst

Herbst

 Der Gärtner spricht mit fröhlichem Sinn:
Du harter November, nimm's immer hin!
Ich hab gesorgt schon treu und gut,
Und was jetzt still in der Erde ruht,
das wird bei des Lenzes Wehen auferstehen.

Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874

Der Herbst ist der Frühling des Winters.

Henri de Toulouse-Lautrec, 1864 - 1901

 Der Kirschbaum,
den im Herbst der Blitz zerriß?
Jetzt ist er über und über
von Blüten verschleiert.

Aus Japan

Septembermorgen.

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Eduard Möricke

Novembertag

 Nebel hängt wie Rauch ums Haus,
 Drängt die Welt nach innen.
 Ohne Not geht niemand aus,
 Alles fällt in Sinnen.
 Leiser wird die Hand, der Mund,
 Stiller die Gebärde.
 Heimlich, wie auf Meeresgrund
 Träumen Mensch und Erde.

Christian Morgenstern, 1871-1914

Frühling begehrt,
Sommer ernährt,
Herbst bewährt,
Winter verzehrt.

Sprichwort

Alles hat seine Zeit: Winter und Sommer, Herbst und Frühling, Jugend und Alter, Wirken und Ruhe.

Johann Gottfried von Herder, 1744 - 1803

Was der Frühling nicht säte,
kann der Sommer nicht reifen,
der Herbst nicht ernten,
der Winter nicht genießen.

Johann Gottfried von Herder, 1744 - 1803

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Im deutschen November
Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort! -
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh -
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz.
Fliege fort! fliege fort!
Oh Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eis'ger Schauder deine Wange,
Die purpur-Wange deckt? -

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch? - -

Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz.
Fliege fort! fliege fort! -
Ich bin nicht schön
- so spricht die Sternenblume -
Doch Menschen lieb' ich
Und Menschen tröst' ich -
sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
nach mir sich bücken
ach! und mich brechen -
in ihrem Auge glänzet dann
Erinnerung auf,
Erinnerung an Schöneres als ich: -
- ich seh's, ich seh's - und sterbe so. -

Dies ist der Herbst: der - bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!

Friedrich Nietzsche, 1844-1900

Tafelbild von Henning Kullak-Ublick aus: Waldorf-Ideen-Pool