Sinnespflege

Der  Sinnespflege wird große Aufmerksamkeit gewidmet. Vielseitige Anregung der Sinnestätigkeit, wie z. B. durch differenziertes taktiles Wahrnehmen (Tastsinn), viel Bewegung zur Anregung des Gleichgewichtssinnes sowie Eigenwahrnehmung (großflächiges Bauen), Singen und Harfespielen zur Anregung des Gehörsinnes und des Fühlens wird angestrebt, wobei darauf geachtet wird, dass einer Reizüberflutung entgegengewirkt wird. Durch das Spielen mit Naturmaterialien (Muscheln, Kastanien im Kaufladen oder Wasser und Matsch im Garten) erlebt das Kind die Sinne unmittelbar und authentisch und erfährt keine „Imitate". Die Sinneserfahrung verstärkt die Eigenerfahrung und -wahrnehmung und führt zu einem positiven Selbstgefühl.

Der Mensch muss sich auf seine Sinne verlassen können. Gerade heute breiten sich die „virtuellen Welten" immer mehr aus und täuschen Qualitäten und Realität vor, die so nicht vorhanden sind. Mit erhöhter Wahrnehmungskompetenz kann man dem entgegenwirken. Und das ist vor allem für die kleinen Kinder heute dringend nötig.

Viel wird heute der Begriff „Medienkompetenz" verwendet. Für sie wird im Waldorfkindergarten bereits eine pädagogische Grundlage geschaffen. Joseph Weizenbaum Computerexperte aus den USA, formuliert:

„Medienkompetenz bedeutet die Fähigkeit, kritisch zu denken. Kritisch zu denken lernt man allein durch kritisch verarbeitendes Lesen, und Voraussetzung hierfür ist eine hohe Sprachkompetenz."

Und auch diese Sprachkompetenz entwickelt sich unter anderem auch durch eine sorgfältige Sinnespflege.

Wenn das kleine Kind im Waldorfkindergarten zuerst einmal die reale Welt mit allen Sinnen entdecken und erforschen kann und so einfache Zusammenhänge verstehen lernt, kann es allmählich auch die elementaren Naturgesetze erfahren. Und die eigene Entdeckerfreude hilft ihm dabei.

Vielfältige körperliche Bewegungen in den Spielen und Spaziergängen helfen dem Kind, seinen Körper ganz zu ergreifen Die Pflege der menschlichen Sinne, gesunde und naturnah hergestellte Lebensmittel bei den Mahlzeiten, Materialien, die „echt" sind (nicht Plastik, das wie Holz aussieht), schön gestaltete Räume mit abgestimmten Farben und Materialien im Umfeld des Kindes fördern eine gesunde Entwicklung und bilden eine gute Vorbereitung für den späteren Übergang in die Schule.

Zum Tasten und Begreifen

Bei der rasanten Technisierung unseres täglichen Lebensumfeldes sollen Spielsachen Erlebnis und Nahrung für die Sinne, für eine gesunde Entwicklung von Körper und Seele sein.

Ermöglichen wir unseren Kindern in den ersten Lebensjahren den Umgang und die Begegnung mit unverarbeiteten Materialen aus der Natur. Das Spielen mit Sand oder Erde, die Begeisterung am Wasser, Bewegung im Freien, Erleben von Sonne, Wind und Wetter. Eindrücke und Erfahrungen mit der Pflanzen- und Tierwelt prägen für das ganze weitere Leben und sind wichtiger als volle Spielzeugkisten.

Die Buntspechte, Ratgeber


Weitere Informationen:

Sinneslehre, S. Knabe

Zitate: Sinne


Die Pflege der Sinne

Kleine Kinder können noch staunen. Alle ihre Sinne sind weit geöffnet. Nur so können sie ihre Umgebung kennenlernen. Deswegen brauchen die Kinder in dieser Zeit besonderen Schutz. Die Einflüsse der Umwelt sollten nicht zu zahlreich und zu stark sein. Sonst können die Kinder sie nur schwer verarbeiten. Dennoch soll das Kind kräftige Anreize bekommen, damit es wichtige und sinnvolle Erfahrungen machen kann. Die harmonische Gestaltung unserer Spielsachen, der Einrichtung, ja des ganzen Tagesablaufs bietet diesen Schutzraum, der zugleich zu Entfaltungen anregt und ermuntert. Folgende Sinnesbereiche sind uns dabei wichtig:   

Mehr dazu in der Homepage der Rudolf Steiner Schule Hamburg-Bergedorf:

Link: Die Pflege der Sinne


Der Tastsinn: Der Wille in der Wahrnehmung

Von Peter Loebell

Auf die Schürze an der Rückseite des Auto-Beifahrersitzes sind sechs unterschiedlich große Taschen aufgenäht. Für eine längere Fahrt bewahren die Kinder dort gerne ihr Spielzeug und ihren «Proviant« auf...

Lesen Sie weiter: Der Tastsinn, Erziehungskunst, Febr. 2012


Die Sinne und das Ich des Menschen

Von Peter Loebell, Januar 2012

Die Sinne sind für den Menschen von zentraler Bedeutung. Ohne sie hätten wir keine Erfahrung von der Welt und könnten auch kein Selbstbewusstsein entwickeln. Sie spielen in der Waldorfpädagogik eine große Rolle. Unsere neue Serie für 2012 beschäftigt sich mit diesem vielschichtigen Thema.

Weiter unter: Erziehungskunst Jan12


Die Sinne als Forschungsfeld

Von Wolfgang-M. Auer, Oktober 2009

Die Sinne haben eine große Bedeutung für die Entwicklung des Kindes. Erhalten sie keine Anregungen, verkümmern sie. Die Waldorfpädagogik misst der Sinneserziehung eine zentrale Rolle zu. Wolfgang-M. Auer zeigt in seinem Beitrag, dass die Sinneslehre Rudolf Steiners topaktuell ist.

Lesen Sie den Artikel unter: Erziehungskunst Okt09


Tasten, Riechen, Schmecken

Von Christiane Kutik, Erziehungskunst, Oktober 2009

Zehnjährige Schüler bei einem Riechtest. Sie werden mit verbundenen Augen in einen Raum geführt. Aufgebaut sind hier verschiedene Früchte, Kräuter, und Gewürze. Riechend sollen die Kinder herausfinden, was das ist, was ihnen unter die Nase gehalten wird. Samuel schnuppert an Verschiedenem und jedes Mal zuckt er nur mit den Schultern: »Keine Ahnung.« Auf einmal erhellt sich sein Gesicht: »Ah, Shampoo,« meint er. Und was ist es in Wirklichkeit?

Lesen Sie weiter unter: Erziehungskunst Okt09


Gleichgewichtssinn - So kommen Kinder in Balance

Schaukeln, Klettern, über Mauern balancieren: All das macht Kindern Spaß. Und ganz nebenbei trainieren sie ihren Gleichgewichtssinn.

Weiter unter: spielundzukunft.de - Gleichgewichtssinn


Sinnespflege im Vorschulalter, Benita Quadflieg-Vegesack

Studienheft 24 - 128 Seiten, € 12,50 (zzgl. Versandkosten)
Zu beziehen direkt vom Herausgeber
Internationale Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V.
Le Quartier-Hombach 15
67433 Neustadt an der Weinstraße


Sinnes-Welten

von Wolfgang-M. Auer (Autor)

Bildung beginnt mit Wahrnehmung - Eine Beschreibung der faszinierenden Welt unserer Sinne. Warum können wir im Dunkeln ein Glas zum Mund führen, ohne etwas zu verschütten? Weil wir durch unseren Bewegungssinn auch mit geschlossenen Augen jeden Körperteil wahrnehmen. Es gibt mehr als doppelt so viele Sinne wie die bekannten fünf: Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Tasten. Es wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutungen die Erfahrungen dieser Sinne für die wahrnehmende Person, vor allem für die Kinder und ihre Entwicklung, haben.


Hören lernen

Von Stephan Ronner, April 2010

Diese Stimme macht aufmerksam: Nicht ausbilden sollt ihr, sondern einhören! - Einhören? Bei all dem angesagten pädagogischen Aktionismus unserer Tage erscheint »Einhören« als eine Gegenbewegung, die empathisch das Ohr an die eigentliche Aufgabestellung legt. Mit »Hörwege entdecken« liegt ein Kompendium vor, das uns an ein menschliches Urbedürfnis heranführt. Das Öffnen der Ohren ist ein vielstufiger Vorgang und Grundvoraussetzung jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Dabei spielt die Erkenntnis des Zusammenhangs von Hör- und Bewegungserziehung eine entscheidende Rolle. Reinhild Brass führt uns in ihrem Buch schrittweise durch die ersten acht Schuljahre und lässt uns an ihrer audiopädischen Praxis teilhaben. 


Sehen trennt, Hören vereint

Von Peter Loebell, März 2012

Jeder kennt die Empfindungen, die ein strahlend blauer Himmel, ein dunkles Fichtengrün oder ein glühend-roter Sonnenuntergang in uns auslösen. Wir sprechen von angenehmen, schreienden und grellen oder auch von harmonischen und beruhigenden Farben. Wir bemerken ebenso, dass im Dunkel der Nacht »alle Katzen grau« sind, weil wir Farben in der Dämmerung nicht unterscheiden können, aber auch nicht in blendendem Sonnenlicht.

Link: Erziehungskunst März 2012, Sehen...


Den Anderen verstehen. Von der Wirksamkeit der Erkenntnissinne

Von Peter Loebell, April 2012

»›Lieber Mann‹, sagte Mrs. Tibbs, nachdem alle versorgt waren, ›was möchtest du?‹« Die sechs Pensionsgäste sind gerade mit der Vorspeise – Fisch – bedient worden, als sich die Gastgeberin mit diesen Worten an ihren Mann wendet. Dabei begleitet sie ihre Frage mit einem Blick, »der deutlich genug sagte, dass er nicht Fisch sagen dürfe, da nur noch sehr wenig davon übrig war.« Ihre Stimme war deutlich zu hören, ihre Mimik klar zu erkennen...

Weiter hier: Erziehungskunst April 2012


1.) Vor dem Begriff kommt das Begreifen

Von Philipp Gelitz, Mai 2013

Eine soziale Krankheit bricht sich immer mehr Bahn: die Erklärungswut. Höchste Zeit, sich eingehender mit ihr zu beschäftigen und zu zeigen, wie gefährlich sie für Kinder vor der Schulreife ist...

Weiter: Erziehungskunst Mai 2013, Vor dem Begriff...


Wahrnehmung und Bewusstsein

Von Peter Loebell, Mai 2012

Die ersten Erinnerungen: Vereinzelte Bilder vertrauter Menschen, besondere Orte, prägende Ereignisse. Meist reichen sie zurück bis in unser drittes Lebensjahr. Doch unsere Sinne waren jahrelang tätig, ohne dass wir noch wissen, was wir damals empfunden haben. Was ist aus all den Wahrnehmungen geworden, an die wir uns nicht erinnern?

Weiter hier: Erziehungskunst Mai 2012


Der Ichsinn ertastet den anderen Menschen

Von Peter Loebell, Dezember 2012

Zweiter Weltkrieg: Paris ist von den Deutschen besetzt. Jacques Lusseyran, noch Schüler und schon Student, engagiert sich im Widerstand. Er ist blind. Ihm werden die Menschen vorgeführt, die sich der Widerstandsbewegung anschließen wollen, seine Freunde wissen, dass er hinter die Oberfläche schaut. 

Lesen Sie weiter: Erziehungskunst Dezember 2012

Willi Aeppli

Sinnensorganismus, Sinnesverlust, Sinnespflege