Schlafen und Wachen

Der Schlaf des Kindes ist notwendig für seine Gesundheit, seine Fröhlichkeit und Ausgeglichenheit während der Wachzeiten. Das gilt für den Säugling genauso wie für das Kindergarten- oder Schulkind. Und: Gilt dies nicht eigentlich für alle Menschen? Der Schlafbedarf beim Kleinkind ist in der Regel natürlich deutlich größer als beim Erwachsenen und auch der Schlafrhythmus ist ein anderer. Die Kleinen schlafen noch nicht regelmäßig und bei rund 16 Stunden Schlaf eines Neugeborenen ist ein häufiges Aufwachen nach jeweils einigen Stunden üblich. Ein fester Schlaf- und Wachrhythmus muss sich erst langsam entwickeln. Am Anfang sind die Zeiten noch sehr unregelmäßig, denn der Säugling muss erst schlafen „lernen".  

Der Rhythmus

Der Wechsel zwischen Wachen und Schlafen, von Ein- und Ausatmen und anderen Rhythmen ist auch in der Natur zu finden, z. B. im Jahreslauf mit seinen wechselnden Jahreszeiten. Dem wird im Waldorfkindergarten im Tagesablauf, in der Woche und im Jahr Rechnung getragen. So erfahren die Kinder den wiederkehrenden Wechsel, der ihnen Stabilität und Sicherheit, Halt und Orientierung gibt.

Lesen Sie mehr dazu unter: Rhythmus - der große Lehrmeister in der Erziehung (aus: Freunde der Erziehungskunst)

und unter unserer Rubrik: Rhythmische Abläufe

Auch wenn man von etwa 16 Stunden Schlaf eines Säuglings ausgeht, so sind Schwankungen doch normal und so einzigartig jedes Kind ist, so individuell ist auch das Schlafbedürfnis - also erst einmal kein Grund zur Besorgnis, wenn starke Schwankungen auftreten. Bei Kindern im Kindergartenalter wird ein Schlafbedürfnis von 11 bis zu 13 Stunden angenommen und man kann nachlesen, dass Jugendliche mit 9 Stunden auskommen, Erwachsene sogar sehr viel weniger schlafen müssen und das Schlafbedürfnis im Alter abnimmt. Aber auch hier gilt, dass dies individuell sehr verschieden sein kann.

Rituale

Gerade für das kleine Kind, das das Schlafengehen als eine Art Trennung von der Mutter und den anderen Familienmitgliedern empfinden kann, ist eine ruhige Vorbereitung eine große Hilfe. Diese Zeit vor dem Schlafen des Kindes kann als besonders schön und wichtig empfunden werden, nicht nur für das kleine Kind, sondern auch für diejenigen, die das Kind zu Bett bringen.

Feste Rituale helfen beim Einschlafen, die Form hängt natürlich vom Alter des Kindes ab: Lesen Sie dem Kind etwas vor oder singen Sie ihm ein Schlaflied, lassen Sie gemeinsam den Tag Revue passieren oder rufen Sie sich ein besonders schönes Ereignis in Erinnerung. Dabei ist darauf zu achten, dass dies nicht stimulierend auf das Kind wirkt. Toben, Gruselgeschichten und stark rhythmisch geprägte Lieder helfen dem Kind nicht über die Schwelle in den Schlaf. Auch sollte das Kind wissen, dass es diese besondere Zeit nicht beliebig ausdehnen kann mit immer neuen Sonderwünschen, das kann leicht zu Spannungen und wenig schlaffördernden Situationen führen.

Die Literatur ist voll von Ratgebern bei Schlafstörungen, und die verschiedensten Einschlafhilfen werden angeboten. Auf dieses Thema soll an dieser Stelle verzichtet werden. Beachten sollte man allerdings, dass das Kind möglichst entspannt zu Bett geht, dass nicht das Fernsehen, Videofilme oder Musik- und Märchenkassetten die persönliche Zuwendung der Bezugspersonen ersetzen.

Links zu einigen Artikeln zum Thema:

Der gesunde Schlaf und seine Bedeutung

Benjamin Franklin meinte einst: Früh zu Bett und früh aufstehen macht den Menschen gesund, reich und klug. An diesem Satz ist schon etwas Wahres dran. Verbringen wir doch ein Drittel unseres Lebens im Schlaf...

Lesen Sie weiter unter: dagogo.de Gesundheit

Lernen und Schlaf

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Die Wirkung des Schlafes auf das Lernen wurde schon lange in der Pädagogik der Freien Waldorfschulen berücksichtigt. In der neueren Zeit hat auch die Neurowissenschaft die Bedeutung dieses Themas erkannt und fundamentale Erkenntnisse gewonnen. Aber auch ohne dieses Wissen kann fast jeder auf eigene Erfahrungen zurückgreifen... So schreibt Peter Seurl in seinem Artikel in der „Erziehungskunst".

Lesen Sie weiter unter: Lernen und Schlaf, Erziehungskunst 9/2006

Einschlafen - Warum Kinder ein Zubettgeh-Ritual brauchen

Der Abend ist für Familien oft die schönste Zeit. Alle sind zusammen und können den Ballast des Alltags endlich abwerfen. Doch dies gelingt natürlich nicht auf Knopfdruck. Wichtig ist vor allem, dass zunächst einmal Ruhe einkehrt - vor allem, wenn es tagsüber Ärger gegeben hat. Diesem sollte aber nicht zuviel Platz eingeräumt werden...

Weiter: spielundzukunft.de - Einschlafen


„Oft ist der Schlaf der jüngere Bruder des Todes genannt worden. Ich stehe des Morgens auf. Meine fortlaufende Tätigkeit war durch die Nacht unterbrochen. Es ist mir unter gewöhnlichen Verhältnissen nichtmöglich, dass ich des Morgens meine Tätigkeit in beliebiger Weise wieder aufnehme. Ich muß an mein Tun von gestern anknüpfen, wenn Ordnung und Zusammenhang in meinem Leben sein soll. Meine Taten von gestern sind die Vorbedingungen derjenigen, die mir heute obliegen. Ich habe mir mit dem, was ich gestern vollbracht habe, für heute mein Schicksal geschaffen. Ich habe mich eine Weile von meiner Tätigkeit getrennt; aber diese Tärigkeit gehört zu mir und sie zieht mich wieder zu sich, nachdem ich mich eine Weile von ihr zurückgezogen habe. Meine Vergangeheit bliebt mit mir verbunden; sie lebt in meiner Gegenwart weiter und wird mir in meine Zukunft  folgen. Nicht erwachen müsste ich heute morgen, sondern neu, aus dem Nichts heraus geschaffen werden, wenn die Wirkungen meiner Taten von gestrn nicht mein Schicksal von heute sein sollten. Sinnlos wäre es doch, wenn ich unter regelmäßigen Verhältnissen ein Haus, das ich mir habe bauen lassen, nicht beziehen würde..."

Rudolf Steiner, aus: Theosophie, 1904, S. 35


Musik beruhigt kranke Kinder

Schlaflieder können Schmerzen lindern

Wiegenlieder gehören schon seit Jahrtausenden zu den beliebtesten Einschlafritualen für Kinder. Doch diese beruhigenden Melodien haben offenbar noch einen zusätzlichen Effekt auf junge Patienten...

Weiter: Musik..., Focus vom 26.11.13


Säuglinge bilden Vorstellungen im Schlaf

Von Lorenzo Ravagli, Januar 2015

Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig untersuchen die Gehirnaktivitäten von Kleinstkindern. Sie stellen fest, dass der Schlaf das Erinnerungsvermögen der Kinder verbessert und das kindliche Gedächtnis strukturiert. ...

Weiter: Säuglinge bilden Vorstellungen im Schlaf, Erziehungskunst Sept15


Erziehung und Schlaf

Von Christof Wiechert, September 2015

Die Neurologie und die Schlafforschung haben in den letzten zwanzig Jahren große Erkenntnisse gewonnen. Man weiß heute, dass die menschliche DNA ein offenes System ist, das sich viel schneller ändert, als man früher dachte. Der Schlaf spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit ihm wird in der Waldorfpädagogik methodisch bewusst gearbeitet.

Lesen Sie weiter: Erziehung und Schlaf, Erziehungskunst Okt15


Buchempfehlung:

Der Rhythmus von Schlafen und Wachen. Beiträge zur Pädagogik Rudolf Steiners, Band 1

Seine Bedeutung im Kindes- und Jugendalter

von Stefan Leber, Ernst-Michael Kranich, Jörgen Smit.

Verlag freies Geistesleben, Jan. 1992

ISBN-10:3-7725-1117-1 / EAN:9783772511172


Schlaflieder

Gedichte zur Nacht

Zitate: Schlafen und Wachen