Die Integrationsgruppe (Inklusion)

Der Interkulturelle Waldorfkindergarten Wilhelmsburg verfügt inzwischen auch über eine eigene Integrations- bzw. Inklusionsgruppe. Es können hier bis zu 32 Kinder ab 3 Jahren betreut werden. Aus pädagogischen Gründen streben wir auch hier eine Maximalbelegung von 20-25 Plätzen an. Hierbei werden bis zu vier Plätze im Rahmen der Eingliederungshilfe für von Behinderung betroffene Kinder bereit gehalten.

Foto: Wikimedia Commons

In unserer neuen Integrationsgruppe sehen wir es als unsere ganz besondere Aufgabe an, Kinder auf Grundlage der Waldorfpädagogik zu betreuen und fördern, deren seelisches Gleichgewicht durch konstitutionelle oder äußere Einflüsse gestört ist. Diese Problematik zeigt sich in körperlichen Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen und seelischen Verletzungen. Aber auch Kinder ohne augenscheinliche Behinderung kommen in die Gruppe und leben gemeinsam den Kindergartenalltag. Jeder ist Teil der Gemeinschaft. Alle Vorteile des Lebens in der Gruppe kommen den behinderten Kindern genauso zugute wie den nichtbehinderten. Wir betrachten Integration als eine Methode, um unsere  Erziehungsziele für alle Kinder erreichbar zu machen …

Unsere Integrationsgruppe ist zunächst eine Kindergartengruppe wie jede andere. Es wird auf  folgende Punkte in unserer Integrationsgruppe  besonderen Wert gelegt:

Es werden in unserer Integrationsgruppe heilpädagogische Angebote und Maßnahmen in den Kindergartenalltag einbezogen, die auch allen anderen Kindern zu Gute kommt. Eine Integrationsgruppe eröffnet viele pädagogische Möglichkeiten wie z.B. Nachahmung, Motivation, Ansporn und Gleichberechtigung.  Durch ein reiches Angebot an künstlerischen und therapeutischen Maßnahmen werden die motorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten der Kinder optimal gefördert … Besonderen Wert legen wir auf  die Pflege der Sinne. Gerade in der Integrationsgruppe stehen uns häufig Kinder mit den verschiedensten Sinnes- und Wahrnehmungsstörungen gegenüber und benötigen eine intensive Förderung der Sinne. Auch das Spielen ist von allergrößter Bedeutung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Es werden dabei einerseits sämtliche Lebenskompetenzen grundlegend geübt, angefangen von motorischen und sensorischen Fähigkeiten bis hin zu umfassender Welterfahrung und sozialer Lernmöglichkeit …

Es besteht jederzeit die Möglichkeit für unsere Integrationskinder Einzeltherapien außerhalb der Gruppe in unserem Therapieraum wahrzunehmen. Wir stehen in einem intensiven Kontakt und Austausch mit externen Therapeuten, wie Logopäden, Ergo- und Musiktherapeuten, Heileurythmisten und Krankengymnasten, etc. Die Integration der Heilpädagogik sowie der pflegerischen und therapeutischen Angebote in den Kita-Alltag erfordert ein enges Arbeiten zwischen den verschiedenen Fachkräften. Ziel ist es, einen gemeinsamen Weg für die Gestaltung der individuellen Entwicklungsförderung des Kindes zu finden und diesen regelmäßig gemeinsam zu reflektieren und anzupassen …

Der Leitgedanke jeglicher Art der Förderung ist das Bestreben nach Autonomie, Kompetenz und Soziabilität (im Sinne eines Eingebundenseins in die Gemeinschaft) des einzelnen Kindes. Wir möchten den Lebensraum von Kindern aus Einsicht in die am Kind abgelesenen Entwicklungsschritte gestalten und schützen. Gesund an Leib und Seele sollen sie mit ihren ureigensten Impulsen, Fähigkeiten und Initiativen willensstark die Zukunftsaufgaben ihrer Zeit ergreifen können.

Mehr zu unserem Konzept finden Sie unter: Konzept (Absatz 6.3)


September 2013

Presseinformation des Bundes der Freien Waldorfschulen:

"Inklusion und Selektrion im Schulwesen schließen sich aus"

Berlin/Stuttgart, 12. September 2013/CU. Die Waldorfschulen in Deutschland sehen sich als Vorreiter bei der Umsetzung des Inklusionsgedankens, wie er in der UN-Behindertenrechtskonvention formuliert ist. Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) bietet allen Waldorfschulen seine Unterstützung an, die sich in diese Richtung weiterentwickeln wollen. Dies bekräftigten Vertreter des BdFWS am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. Mit einem großen Kongress in der Bundeshauptstadt vom 20.-22. September 2013 will die Waldorfschulbewegung zum Erfahrungsaustausch über Inklusion beitragen...

Lesen Sie weiter: Presseinformation des Bundes der Freien Waldorfschulen

und als pdf: Presseinformation


„Vielfalt gestalten – auf dem Weg zur Inklusion“

Unter diesem Motto findet vom 20. bis 22.9.2013 in der Freien Waldorfschule Berlin-Kreuzberg ein landesweiter Kongress statt, an dem sich auch das Team des Interkulturellen Waldorfkindergartens Wilhelmsburg beteiligt. Unter Federführung von unserer Kollegin Eike Sondermann setzt sich die Arbeitsgruppe aus Wilhelmsburg mit der Frage „Inklusion und Interkulturalität – Unverträglichkeit oder Chance?“ in drei Seminareinheiten auseinander, an denen sich bis zu 25 Personen teilnehmen können.

 Den Impuls für diesen Kongress, der unter anderem in Zusammenarbeit des Bundes der Freien Waldorfschulen und der Vereinigung der Waldorfkindergärten vorbereitet worden ist, liefert der Auftrag der UN-Konvention zur Gleichbehandlung aller Menschen. Zahlreiche Beispiele zur Umsetzung dieses Auftrags werden vorgestellt, aus Erfahrungen in Waldorfschulen und -kindergärten berichtet, Vorträge gehalten, Fragen diskutiert, aber auch Möglichkeiten zur kulturellen und heilpädagogischen Erneuerung, um eine breitgefächerte Förderarbeit in allen Waldorfkindergärten und -schulen auch von morgen sicher zu stellen.

 Die Freie Waldorfschule Berlin-Kreuzberg hat bereits viel Erfahrung im Bereich der Inklusion gesammelt. Sie entstand 1985 in unmittelbarer Nähe der innerdeutschen Grenze für alle Kinder des Stadtteils und setzte mutiges pädagogisches Arbeiten aller Beteiligten voraus. Wir Wilhelmsburger sind mit dem Gründungsimpuls der Kreuzberger Waldorfschule ganz besonders verbunden. Auch das pädagogische Konzept des Interkulturellen Waldorfkindergartens Wilhelmsburg legt einen besonderen Wert auf die Umsetzung des Auftrags der UN-Konvention und heißt jedes Kind in seiner jeweiligen individuellen Lebenssituation bei uns willkommen.

Wenn Sie Einzelheiten erfahren wollen, so klicken Sie auf die pdf: Flyer und Plakat

Marie-Luise Sparka 


Inklusion als fortwährende Entwicklungsaufgabe: Gemeinsame Erklärung der waldorfpädagogischen Verbände

 Gelebte Inklusion an einer integrativ arbeitenden Waldorfschule

Stuttgart/Neustadt/Weinstr./Echzell-Bingenheim, 15. Januar 2013/CU.

Die Einrichtungen der Waldorfpädagogik in Deutschland stellen sich der Herausforderung der Inklusion und wollen ihre Lebens- bzw. Unterrichtsformen an deren Erfordernisse anpassen. Dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Behindertenrechtskonvention) soll so Rechnung getragen werden. Vom 20. bis 22. September 2013 findet ein großer gemeinsamer Kongress zur Inklusion in Berlin statt.

Hier geht es zur Seite: Gemeinsame Erklärung

Und hier als pdf


Pressemitteilungen des Bundes der Freien Waldorfschulen

„Jedes Kind ein Könner“: Expertendialog auf der didacta bestätigt Waldorfpädagogik

Köln/Stuttgart, 20. Februar 2013/CU. Zu aktuellen bildungspolitischen Fragestellungen wie zum Umgang mit Medien oder zur Frühförderung liefert die Waldorfpädagogik wichtige Orientierungen. Diese stehen durchaus in Einklang mit Ergebnissen der empirischen Forschung. Dies wurde bei den Veranstaltungen von „Waldorfpädagogik aktuell“ auf der diesjährigen didacta in Köln...  

Lesen sie weiter: Expertendialog

„Jedes Kind ein Könner“: Waldorfpädagogik aktuell auf der didacta

Stuttgart/Köln, 13. Februar 2013/CU. Kinder und Jugendliche bilden die Zukunft eines jeden Landes. Aber wie müssen Bildungsprozesse gestaltet werden, damit der Nachwuchs tatkräftig und lebenstüchtig die damit verbundenen Aufgaben anpackt und wirklich meistert? Unter Eltern herrscht hier eine große Unsicherheit. Der diesjährige Stand von Waldorfpädagogik aktuell vom... 

Lesen Sie weiter: Waldorfpädagogik aktuell...


Sondermodell Willi

Birte Müller

a tempo, Nr 141 | September 2011

Mir ist in letzter Zeit immer häufiger aufgefallen, dass Kinder als «Anschaffung» bezeichnet werden. Eigentlich ein komplett unpassender Ausdruck, der laut Definition einen entgeltlichen Vorgang bezeichnet, bei dem ein Wirtschaftsgut von einem Eigentümer auf einen anderen übergeht. All das trifft zum Glück bei einem Kind nicht zu!
Mein Mann und ich haben unser erstes Kind vor gut vier Jahren «angeschafft». Die Anschaffung unseres Sohnes Willi war vollkommen kostenfrei, wir hatten ihn zwar nicht bestellt, uns über die pünktliche Lieferung zum Stichtag aber gefreut und waren dann einigermaßen überrascht, dass er ein «Sondermodell» war. Eine Bedienungsanleitung lag nicht bei.
Willi hat ein winzig kleines Chromosom mehr in jeder seiner Zellen als die meisten anderen Menschen. Er hat das Down-Syndrom und das West-Syndrom, eine schwere Form der Epilepsie. Seine Augen sind leicht schräg gestellt, sein Mund steht meistens offen und seine Zunge ist zu sehen. Unser Willi kann kein Wort sprechen, er kann sich weder selber aus- noch anziehen, nicht aufs Klo gehen, nicht richtig mit einem Löffel essen, er kann niemals ruhig sitzen oder stehen und er kann sich selten länger als ein paar Sekunden auf etwas konzentrieren.
So würde ein Außenstehender vielleicht meinen Sohn beschreiben. Wir Mütter behinderter Kinder nennen diese Sichtweise «defizit­orientiert», da sie hauptsächlich benennt, was unsere Kinder NICHT können.

Lesen Sie den ganzen Artikel unter: Sondermodell Willi

Ebenfalls können Sie in der Rubrik „Willis Welt“ in der Zeitschrift a tempo mehr über Willi und seine Familie erfahren:

Link: „Willis Welt“


Die Ausgaben der Zeitschrift „Punkt und Kreis“ vom Verband für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialtherapie und soziale Arbeit e. V. werden auch als pdf angeboten, und zwar unter:

Link: Punkt und Kreis


Inklusion – Herausforderung und Chance

Von Johannes Denger, Juli 2013

Teilhabe und Selbstbestimmung sind die Ideale unserer Zeit. Sie basieren auf der Idee der Menschenwürde, die wiederum die Grundlage der Menschenrechte ist. Das ist außerordentlich bemerkenswert. Es scheint eine Schicht im Seelenleben praktisch aller Menschen zu geben, die angesprochen ist, wenn es um die Würde des Menschen geht. Der Philosoph Jürgen Habermas spricht hier von »Intuition«; sie dringe zunächst ins Bewusstsein der Betroffenen und dann in die Rechtstexte ein, um dort begrifflich artikuliert zu werden...

Mehr: Erziehungskunst Juni 2014, Inklusion


Eine Frage der inneren Haltung. Integration im Kindergarten

Von Petra Plützer, Juli 2013

Freispielzeit im Kindergarten Goldberg in Düsseldorf-Gerresheim: Mit einem Kochlöffel in der Hand dreht sich Viktor im Kreis. Immerzu dreht er sich im Kreis. Dazu spricht er ein ganz eigenes Lautgedicht...

Lesen Sie den Artikel: Erziehungskunst Juli 2013, Integration Kindergarten

Chancengleichheit besteht nicht darin,
dass jeder einen Apfel pflücken darf,
sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt.

Reinhard Turre

Was wir zu lernen haben
ist so schwer und doch so einfach und klar:
Es ist normal verschieden zu sein.

Richard von Weizsäcker