Phönix - Freizeitschule und Notfallpädagogik

Phönix Notfallpädagogik

im Verein zur Förderung Interkultureller Waldorfpädagogik in Hamburg e.V.

Flucht vor Krieg und Bürgerkrieg: Die kriegerischen und bürgerkriegsähnlichen Konflikte in Nordafrika und dem Nahen Osten geraten immer weiter außer Kontrolle. Opfer ist zunehmend die Zivilbevölkerung, die von den Staaten nicht mehr geschützt werden kann. Ganze Familien fliehen aus ihrer Heimat und erreichen auf einer lebensgefährlichen, oft wochenlangen Flucht Hamburg. Sie suchen Schutz und hoffen, ein neues Leben beginnen zu können. 

Vertreibung und Trauma: Gewalterfahrungen und Fluchterlebnis haben die Menschen schwer traumatisiert. Besonders betroffen sind dabei Kinder und Jugendliche, da sie sich nur bedingt von ihrer Umwelt abgrenzen können und dadurch seelisch sehr verwundbar sind. Ziel der Initiative Phönix ist es, diesen Kindern und Jugendlichen dringende therapeutische und pädagogische Hilfe zukommen zu lassen: in Hamburger Sammelunterkünften, in Kitas und Schulen.  

Jedes Flüchtlingskind hat durch den Verlust der Heimat und in vielen Fällen auch den Verlust naher Familienmitglieder und Freunde ein Trauma erlebt. Das Bild eines Phönix-Vogels kann als Metapher für die Situation eines Flüchtlingskindes dienen: Es versucht aus der Asche aufzuerstehen und neues Leben zu finden.

Unser Angebot

Unser Fokus liegt bei den Kindern. Sie wollen wir erreichen mit strukturiertem und rhythmisch gestaltetem Alltag, mit Rhythmusspielen (Spieltherapie), Musiktherapie, Maltherapie, Bewegungsangeboten und Erzähltherapie, die sich alle in der Arbeit mit traumatisierten Kindern bewährt haben. 

"Man wird wieder aus Himmel und Sternen Bilder machen
und die Spinnweben alter Märchen auf offene Wunden legen."

(Christian Morgenstern) 

Trauma- und Notfallpädagogik als Grundlage unserer Arbeit

In langjähriger Erfahrung bei Einsätzen in Krisengebieten wurden notfall- und traumapädagogische Methoden entwickelt, die heilsam wirken, besonders, wenn regelmäßig mit ihnen gearbeitet wird. Den Symptomen des Traumas (Instabilität der inneren Orientierung, Schutzlosigkeit, Gefühlschaos und Selbstunsicherheit) stellen wir Methoden zur Verfügung, die stützen, schützen, konfrontieren, ordnen und fördern.

Wir arbeiten auf dem Boden der modernen Traumapädagogik. Zu diesem Fundament werden Elemente einbezogen, die in der Waldorfpädagogik seit langem zentrale Bestandteile sind. Unsere MitarbeiterInnen haben sich über Weiterbildungen im Bereich der Notfallpädagogik besonders qualifiziert. Dabei nutzen wir Bildungsangebote der Freunden der Erziehungskunst Rudolf Steiners, die durch zahlreiche Einsätze bei Katastrophen in verschiedenen Regionen der Welt einschlägige Erfahrungen sammeln konnten.

Das Team der Initiative arbeitet selbstverantwortlich. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind hauptberuflich im therapeutischen oder pädagogischen Bereich tätig oder verfügen über entsprechende Berufserfahrung. Junge Menschen sind wichtige Säulen in der Arbeit mit den Kindern. Durch Fortbildungen und notfallpädagogische Auslandseinsätze haben sie sich für die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen besonders qualifiziert.

In der Initiative arbeiten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters zusammen. Interkulturalität und Interreligiosität ist ein wesentlicher Faktor, um das Vertrauen der Flüchtlingsfamilien zu gewinnen und sie auf das Leben in einer pluralistischen, liberalen und säkularen Gesellschaft vorzubereiten.

Aktuell

Seit mehreren Jahren arbeiten unsere Teams notfallpädagogisch mit Flüchtlingskindern in Hamburg. Derzeit gibt es zwei Nachmittage mit Angeboten für Kinder in einer großen Erstaufnahmestelle und zwei Nachmittage in einer Folgeeinrichtung. Das Programm beinhaltet einen Anfangs- und Abschlusskreis mit einem Spruch, rhythmischen Übungen, Body Percussion, erlebnispädagogischen Spielen, Märchen-Erzählen und therapeutischem Malen. Ein Angebot in einer weiteren Folgeeinrichtung ist in Vorbereitung.

Unter Anleitung von Micaela Sauber, Heilerzieherin und Erzählkünstlerin, begannen 2015 Asma Qwaider, die arabisch spricht, und Roana Falkenberg mit dieser Arbeit und schufen die Basis für zukünftige Entwicklungen. Inzwischen hat sich das Team um mehrere freiwillige Helferinnen und Helfer erweitert. Regelmäßige notfallpädagogische Nachmittagsveranstaltungen zur Stabilisierung der Kinder nach ihren teilweise traumatisierenden Fluchterlebnissen sind unser Anliegen.

Wir freuen uns, auch in Zukunft unsere notfall- und traumapädagogische Arbeit für Flüchtlingskinder in Hamburg und Norddeutschland durch Zuwachs an freiwiligen Helferinnen und Helfern erweitern zu können. Um diese Aktivitäten zu gewährleisten, benötigen wir finanzielle Unterstützung für Material und Transporte. Einige junge Menschen, die beispielsweise neben dem Pädagogikstudium bei uns mitarbeiten, erhalten eine Aufwandentschädigung, da sie uns ansonsten nicht zur Verfügung stehen können.

Gerrit de Jong, März 2017

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