Konzept

Interkultureller Kindergarten in Hamburg-Wilhelmsburg

1.      Einleitung

Der Initiativkreis Interkulturelle Waldorfpädagogik in Hamburg-Wilhelmsburg macht Kindern mit Migrationshintergrund und sozialer Benachteiligung Waldorfpädagogik zugänglich. Er folgt damit einem sozialreformerischen Impuls, der seit der Gründung der ersten Waldorfschule 1919 in Stuttgart Bestandteil der Schulbewegung ist und auch im In- und Ausland deutliche Erfolge verbuchen kann.
Die Initiative wird getragen von anerkannten Persönlichkeiten der Hamburger Waldorfschul- und Kindergartenbewegung. In regionalen Gremien wie der Regionalkonferenz der Rudolf Steiner Schulen, der Schulträgerversammlung und der Mitgliederversammlung der Hamburgischen Vereinigung der Waldorfkindergärten wird regelmäßig über die Arbeit berichtet.

Das hier vorliegende Konzept beschreibt die Grundlagen der pädagogischen Arbeit des „Interkulturellen Waldorfkindergarten Hamburg-Wilhelmsburg". Sein Schwerpunkt liegt in der Pädagogik der Vielfalt: Kinder aus aller Welt lernen Toleranz und den Umgang mit kultureller Vielfalt und Sprachen. Das Lernen soll sich im lebendigen Prozess menschlicher Begegnung vollziehen, an der alle Kinder, ungeachtet der Hautfarbe, Nationalität, Religion und sozialen Schicht, teilhaben.
Gerade der integrative und soziale Ansatz der Waldorfpädagogik ist geeignet, Kindern aus unterschiedlichen Kulturkreisen und gesellschaftlichen Umfeldern zusammen zu bringen. Durch die pädagogische Arbeit wird die Grundlage für eine interkulturelle Begegnungsfähigkeit geschaffen, sie bildet die Voraussetzung für gegenseitiges Verstehen und wechselseitige Toleranz. So wird der in der Waldorfpädagogik angestrebte Prozess der Persönlichkeitsbildung angeregt, der Bedingung für Eigenständigkeit und Selbstbestimmung im Erwachsenenalter ist.

2.      Sozialgestalt

Es ist ein Grundanliegen aller Einrichtungen, die sich um Waldorfpädagogik bemühen, soziale Formen zu schaffen, in denen die pädagogisch handelnden Menschen selbstbestimmt arbeiten können.

Der „Verein zur Förderung der interkulturellen Waldorfpädagogik in Hamburg e.V." ist Träger des Interkulturellen Waldorfkindergartens in Hamburg-Wilhelmsburg. Der Verein ist Mitglied in der Vereinigung der Waldorfkindergärten, in der Hamburgischen Vereinigung der Waldorfkindergärten, dem PARITÄTischen Wohlfahrtsverband (DPWV) und der Gemeinnützigen Treuhandstelle in Hamburg. Er gliedert sich in die Mitgliederversammlung, den Aufsichtsrat und den geschäftsführenden Vorstand. Mitglied können Persönlichkeiten und Institutionen werden, denen die Ziele des Vereins ein persönliches Anliegen ist. Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand. Der Aufsichtsrat impulsiert die Leitlinien des Waldorfkindergartens, pflegt überregionale Kontakte bis hin zu europäischen Initiativen, und ist tätig im Bereich von Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring. Ferner überwacht er den Vorstand. Der Vorstand (im Sinne des §26 BGB) verantwortet die rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen des Trägers, hält Kontakte zu den Behörden, organisiert die Verwaltung des Kindergartens. Dabei kann er einzelne Aufgaben an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen delegieren, insbesondere Verwaltungsaufgaben.

Die tätigen pädagogischen Mitarbeiter/innen sind an der Verwaltung der Arbeitsprozesse unmittelbar beteiligt. Die klassische Struktur Arbeitgeber / Arbeitnehmer wird im interkulturellen Waldorfkindergarten nicht angewandt. So wie sich im pädagogischen Prozess Handeln aus Freiheit nur ergibt, wenn keine äußeren Zwänge das Handeln veranlassen, sondern verantwortliche Entscheidungen aus der Persönlichkeit des Menschen heraus das Handeln begründen, so gilt dies auch für handlungsorientierte Entscheidungen auf der unternehmerischen Ebene. Um dies zu gestalten, wird in wöchentlichen Konferenzen ein Ort geschaffen, in dem die Mitarbeiter/innen selbstreflexiv auf ihr Handeln zurückschauen und sich selbst neue Ziele geben können.

 3.      Waldorfpädagogik im Vorschulalter

Die Waldorfpädagogik will auf die Individualität der Kinder eingehen, ungeachtet ihrer sozialen, ethnischen und religiösen Herkunft. Erziehung und Bildung erfüllen die Aufgabe, die jungen Menschen in ihrer Selbstfindung zu fördern, damit sie die in ihnen liegenden Fähigkeiten und Anlagen entdecken und entfalten können.
Die Waldorfpädagogik liefert auch methodisch die Grundlage der Arbeit im Interkulturellen Kindergarten Wilhelmsburg. Sie begründet einen ganzheitlichen Erziehungsansatz, indem nicht nur die kognitiven, sondern auch die emotionalen und initiativen Fähigkeiten ausgebildet werden. Intensive Sinnesschulung, gezielte Sprachförderung und künstlerisch-handwerkliche Tätigkeiten sowie die Gestaltung der Jahresfeste sind entscheidende Elemente dabei. Die Methode der Waldorfpädagogik erweist sich gerade für einen interkulturell und sozial-integrativ orientierten Ansatz als ausgesprochen fruchtbar.
Im Kindergartenalter bis in die Schulzeit hinein lernt das Kind seine Fähigkeiten aus dem Vermögen der Nachahmung heraus, diese Art zu lernen prägt die Art der Weltbegegnung des Kindes bis in die Schulzeit hinein. Das Kind ist offen für alles, was in seiner Umgebung geschieht und ahmt nach, was es beobachtet und erlebt. Diese Nachahmungsfähigkeit des Kindes ist Grundlage für Methodik und Praxis der Waldorfpädagogik. Darum legt sie auch besonderen Wert auf die Selbstwahrnehmung der Mitarbeiter, die in diesem Sinne Vorbild für die Kinder sind. 

4.      Interkulturelle Waldorfpädagogik

Um Kinder aller Gruppen und Kulturen gemeinsam im Kindergarten zu betreuen, braucht man eine Pädagogik, die nicht kulturell festgelegt ist. Diese findet man besonders in der auf eine Allgemeine Menschenkunde gegründeten Waldorfpädagogik, die ungeachtet aller kulturellen Differenzen auf das sich allgemein im Menschen Entwickelnde baut. Dadurch ist die Grundlage Interkultureller Pädagogik geschaffen: Es wird möglich, für die seelische Entwicklung der Kinder auf den Reichtum und die Vielfalt der Kulturen zurückzugreifen. Ungeachtet der Herkunft wird jeder Mensch angesprochen und der Weg in ein selbständiges Leben eröffnet.
Zentrales Anliegen der Waldorfpädagogik ist die Achtung und Förderung eines jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit. Vielfalt gilt daher als Bereicherung und nicht als Hindernis. Die Initiative „Interkulturelle Waldorfpädagogik in Hamburg" möchte auch für Menschen in prekärer, sozial und kulturell benachteiligter Situationen eine Wahlmöglichkeit für die Bildung ihrer Kinder bieten. Die Gründung des Waldorfkindergartens im Brennpunkt Wilhelmsburg soll signalisieren, dass interkulturelle Pädagogik möglich und auch gewollt ist.

So wird Bildung ist im wahrsten Wortsinn Entwicklungshilfe. Sie ist Mittel zur Individualisierung und die Möglichkeit der Menschenbildung. Integration und Entwicklung sind die Kernbegriffe der interkulturellen Waldorfpädagogik. Schon im Kindergarten sollte diese beginnen und sich in der Schule fortsetzen. Lernen ist ein voneinander Lernen, ein soziales Lernen und ein gemeinschaftliches Lernen, das die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben schafft.

4.1  Begegnung als Grundmotiv des Interkulturellen Waldorfkindergartens

Eltern und Erzieher verbindet das Bemühen um die Offenheit, die jeweilig erlebte Situation mit den Kindern zum immer wieder neu entscheidenden Element der Gestaltung des pädagogischen Lebens werden zu lassen. In dem Maße, in dem sich Eltern und Pädagogen immer wieder von Vorurteilen über das Sein und Werden des Menschen frei machen können und offen der neuen Begegnung entgegengehen, in dem Maße verwirklicht sich erst die erzieherische Beziehung im Sinne der Waldorfpädagogik. Dazu gehört auch die stete Bereitschaft zur Selbsterziehung und eigenen Entwicklung des Erwachsenen in der Begegnung mit den Kindern.

4.2  Austausch

Eine Zusammenarbeit mit Eltern, Mitarbeiterinnen und Gästen verschiedener Herkunft, die ihre weltläufigen Erfahrungen und Kenntnisse der Kulturen mit den ErzieherInnen austauschen, wird gesucht.

Um die unmittelbaren Lebensgewohnheiten der Kinder verschiedener Herkunft kennen zu lernen, werden Eltern in den Kindergarten eingeladen, um sich beim gemeinsamen kochen, backen und basteln wahrzunehmen. So erfährt man jedes Mal mehr über die Gebräuche in fremden Ländern.
Immer wieder wird mit allen Kindern in verschiedenen Sprachen gezählt oder Wörter in allen Muttersprachen der Kinder werden ausgetauscht. Fingerspiele, Reigen und Spiele auf verschiedenen Sprachen schaffen eine vielfältige Wahrnehmung für die Länder und Kulturen dieser Erde.
Fortbildungsveranstaltungen der Internationalen Vereinigung der Waldorfkindergärten, die an weltweiten Tagungsorten ausgetragen werden, bieten die Möglichkeit, Erfahrungen zu vertiefen und auszutauschen.

Wenn der Interkulturelle Kindergarten eine Patenschaft für einen der vielen Waldorfkindergärten in Entwicklungsländern übernimmt, wäre ein guter Austausch möglich, der alle Kinder des Kindergartens näher heranführen könnte zu dem Gedanken der weltumfassenden Verbundenheit aller Menschen, der Ideen der „Einen Welt". 

5.      Angebot und Ausstattung der Einrichtung

5.1  Kontaktanschrift und Kontaktaufnahme

Der Verein:
Verein zur Förderung der Interkulturellen
Waldorfpädagogik in Hamburg e.V.
Veringstraße 3
221107 Hamburg

Tel: +49 (40) 271 60 900
Fax: +49 (40) 271 60 912
mail@interwaldorf-hamburg.de                             
www.waldorfwilhelmsburg.de 

 

Die Waldorfkindergärten:
Waldorfkindergarten Wilhelmsburg Mitte  
Georg-Wilhelm-Straße 43-45                  
21107 Hamburg                                    
Tel: +49 (40) 419 074 02                      

Waldorfkindergarten Wilhelmsburg Nord
Veringstraße 3
21107 Hamburg
Tel: +49 (40) 271 60 900

5.2  Leistungsarten und Plätze

5.2.1        Krippen- und Elementargruppe

Die Einrichtung bietet entsprechend der Betriebserlaubnis Leistungen im Krippen- und Elementarbereich an. Dabei können derzeit max. 26 Elementar- und 17 Krippenplätze angeboten werden. In Abhängigkeit der Stundenauslastung und aus pädagogischen Gründen sollen jedoch regelmäßig nicht mehr als 25 Elementar- und 14 Krippenplätze belegt werden.

5.2.2        Integrationsgruppe (Inklusion)

In der Integrationsgruppe können bis zu 32 Kinder ab 3 Jahren betreut werden. Aus pädagogischen Gründen streben wir auch hier eine Maximalbelegung von 20-25 Plätzen an. Hierbei werden bis zu vier Plätze im Rahmen der Eingliederungshilfe für von Behinderung betroffene Kinder bereit gehalten.

5.2.3        Öffnungszeiten

Die Betreuung der Krippen- und Elementarkinder erfolgt an fünf Tagen in der Woche in der Zeit von 7:00 bis 18:00 Uhr oder nach Absprache. Der Interkulturelle Waldorfkindergarten Wilhelmsburg wird vier Wochen im Jahr Betriebsruhe haben, von denen drei Wochen in der Mitte der Sommerferien und eine Woche in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr liegen. In dieser Zeit ist der Kindergarten in der Regel geschlossen. Darüber hinaus werden die Gruppen bis zu zwei Tage im Jahr für interne Fortbildungen geschlossen.

5.2.4        Zusatzangebote

Für die Kinder in der Elementargruppe wird neben den im Gutscheinssystem vereinbarten Leistungen ein zusätzliches Frühstück angeboten sowie einmal in der Woche etwa 30 Minuten Kindereurythmie. In dieser intensiven Bewegungseinheit lernen die Kinder in spielerischer Weise ihren Körper kennen und wahrnehmen. Die Übungen und Spiele fördern das Gleichgewicht, die Sinnesschulung, Körperwahrnehmung, das Sprachgefühl und musikalisches Grundempfinden. Durch die spielerisch-bildliche Art der Eurythmie wird die Phantasie des Kindes angeregt. Die Vorschulkinder haben von Ostern bis zum Sommer zusätzlich eine kleine Einheit, in der sie ihrer Entwicklung gemäß gezielt angesprochen und gefördert werden.

5.2.5        Anzahl und Qualifikation der Mitarbeiter

Das Team der Einrichtung besteht bei einer Kindergartengruppe mindestens aus zwei Vollzeitkräften (davon mindestens eine staatlich anerkannte/r Erzieher/in mit Leitungsqualifikation). Die Vollzeitkräfte verfügen regelhaft über eine Zusatzausbildung zum/zur Waldorferzieher/in oder werden entsprechend nachqualifiziert. In der Integrationsgruppe ist ein/e Heilpädagoge/in beschäftigt. Mindestens eine der beiden Erzieherinnen soll einen Migrationshintergrund haben.
Die wöchentliche Arbeitszeit der Vollzeitkraft beträgt 39 Wochenstunden für die pädagogische Arbeit mit den Kinder sowie einer angemessenen Vor- und Nachbereitungszeit. Darüber hinaus wird angestrebt, freiberuflich tätige Fachkräfte hinzuzuziehen, wie einen Kinderarzt und die Eurythmistin. Ferner laden wir Praktikanten von Erzieherfachschulen und Waldorferzieherseminaren  - möglichst auch mit Migrationshintergrund – ein in den Gruppen mit zu arbeiten und zu lernen. Darüber hinaus bieten wir Plätze für Freiwillige im Sozialen Jahr und / oder Bundesfreiwillige an, gerne mit Migrationshintergrund.

5.2.6        Räumliche Ausstattung und Raumgestaltung, Außengelände etc.

In unserem Kindergarten finden sich für Waldorfkindergärten charakteristische Raummerkmale. Die Wände sind in zarten Farbtönen lasiert, die Geborgenheit vermitteln. Die Fenstervorhänge und Tücher sind farblich dazu abgestimmt und haben einen weichen, lebendigen Farbton. Unsere Möbel sind vornehmlich aus Holz und unsere Spielmaterialien bestehen aus Naturmaterial: Die Steine, Muscheln, Hölzer, Stoffe, Kastanien und Tannenzapfen haben ihr spezifisches Aussehen, ihr spezifisches Gewicht und ihren typischen Geruch. Sie sollen ganz besonders die Sinne ansprechen.

Die Kindergartenräume sind klar und übersichtlich gegliedert. Es gibt eine großzügig gestaltete Spielfläche und jedes Spielzeug hat seinen Platz. Diese äußere Ordnung gibt den Kindern Sicherheit und Halt. Der ganze Raum lebt in der Stimmung der entsprechenden Jahres- oder Festeszeit. Durch die Raumdekoration und auf dem immer wieder neu gestalteten Jahreszeitentisch wird das Geschehen in der Natur versinnbildlicht.

Draußen im Garten achten wir auf vielfältige Sinneseindrücke. Auf beiden Grundstücken, teils mit sehr altem Baumbestand, gibt es Bäume, Büsche und Sträucher mit unterschiedlicher Rinde und verschiedenen Blättern, hinter denen sich die Kinder verstecken können. Der größte Teil des Gartens ist mit Gras bewachsen. Ferner werden Außenspielgeräte wie Schaukeln, Kletterschiff, Stelzenhaus, Sandspielflächen vorgehalten. Ferner wird ein pädagogischer Gemüsegarten angelegt.

6.      Das pädagogische Konzept

6.1              Schwerpunkte der pädagogischen Arbeit

Eine zentrale Aufgabe der kindlichen Begleitung und Erziehung sieht die Waldorfpädagogik in den Jahren bis zur Schulreife darin, den Kindern Raum zu geben sich spielend frei und selbständig in die Welt hineinzustellen und sich mit ihr zu verbinden.
Besonders viel Wert wird im interkulturellen Waldorfkindergarten auf das Freispiel gelegt. Beim Spielen kann das Kind seiner Kreativität und Phantasie folgen, es erschafft sich seine eigene Welt, die es selbst gestalten und verändern kann. Die Kinder kommen beim gemeinsamen Spielen in einen Prozess, bei dem besonders sprachliche und soziale Kompetenzen herausgefordert werden. Gelingt dieser Prozess des gemeinsamen Spieles, so ist dies tief beglückend für das Kind. Im freien Spiel werden die Sinne besonders angeregt: Der Tastsinn, Bewegungs- und Gleichgewichtssinn werden darin angeregt und geübt.

Bei der Auswahl des Spielzeugs im Waldorfkindergarten wird großen Wert darauf gelegt, dass es die Phantasie und die verschiedensten Sinnestätigkeiten herausfordert. Das Spielzeug ist in gewisser Weise immer „unfertig", was die Kinder herausfordert, etwas damit zu tun: Aus Tüchern, Sandsäcken, Kastanien, Zapfen, Wurzelhölzern, Spielständern und Baubrettern lassen sich Welten erschaffen.

Die Sprache wird u. a. gepflegt durch die täglich stattfindenden Kreis-, Reigen- und Fingerspiele, die der Jahreszeit entsprechend ausgewählt werden. Das Singen und Sprechen der Gedichte und Reime regt die Phantasie sowie die Sprachentwicklung an und hat eine beruhigende und ausgleichende Wirkung. Zudem wird die Grob- und Feinmotorik und damit auch dazugehörigen Sinnestätigkeiten und deren Koordination (Tastsinn, Eigenwahrnehmung Lebens- und Gleichgewichtssinn) geübt. Im interkulturellen Kindergarten kann auf eine Fülle von Liedern und Texten aus aller Welt zurückgegriffen werden. Es ist für Kinder jeder Herkunft eine große Freude, Bekanntes und Neues zu hören und zu lernen und in die verschiedenen Kulturen einzutauchen.

Märchen, Geschichten und Puppenspiele sind ein wesentlicher Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Die Kinder steigen unbefangen und tief in die Geschichten ein, sie üben so das Zuhören. In ihnen entsteht eine reiche Bilderwelt. Die herkömmlichen Puppenspiele in Form von Finger-, Hand- und Tischpuppen, die in den Waldorfkindergärten eine lange Tradition haben, werden ergänzt und bereichert durch Entsprechendes aus anderen Kulturkreisen wie beispielsweise das türkische Schattenspiel, das als Volkskunst seine weiteste Verbreitung und Beachtung im Osmanischen Reich fand. Die Handlung der Stücke basiert auf mündlichen Überlieferungen und hat viele traditionelle Elemente. Durch sie werden Bilder, Szenen und Musik aus einem anderen Land lebendig.

Auch der Sinnespflege wird große Aufmerksamkeit gewidmet. Vielseitige Anregung der Sinnestätigkeit, wie z. B. durch differenziertes taktiles Wahrnehmen (Tastsinn), viel Bewegung zur Anregung des Gleichgewichtssinnes sowie Eigenwahrnehmung (großflächiges Bauen), Singen und Harfespielen zur Anregung des Gehörsinnes und des Fühlens wird angestrebt, wobei darauf geachtet wird, dass einer Reizüberflutung entgegengewirkt wird.

Wir sind der Überzeugung, dass Heterogenität bereichert. Wir leben und arbeiten in heterogenen Gruppen, d. h. in Gruppen, in denen wir immer Individuen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Vorerfahrungen, Kompetenzen, Vorlieben, vorfinden. Im Blick auf das Kind bedeutet das für uns, dass jedes Kind einmalig ist und wir diese Einmaligkeit liebevoll und kompetent unterstützen wollen.

Wir verstehen uns als integrative Einrichtung. Unser Ziel ist ein selbstverständliches Zusammenleben behinderter und nichtbehinderter Kinder, von Kindern mit und ohne besonderen Förderbedarf. Unsere Pädagogik der Nichtaussonderung ermöglicht eine eigenständige Entwicklung jedes Kindes in intensiver Zusammenarbeit mit den Eltern und bei Bedarf auch mit Therapeuten.

Dabei ist Ziel der Förderung eine weitgehend selbständige Lebensführung zu ermöglichen. Die Förderung wird sowohl in der gesamten Gruppe, als auch in der Kleingruppe oder in Einzelsituationen durchgeführt.

In der Integrationsgruppe wird ein/e (Waldorf-) Heilpädagoge/in beschäftigt sein. Der individuelle Förderbedarf der Kinder wird unterstützt durch weitere Therapeuten/innen, wie Heileurythmisten, Musiktherapeuten, Ergotherapeuten,  Chirophonetiker.

6.2              Regelmäßigkeiten im Tages- und Wochenablauf

Regelmäßigkeiten im Tagesablauf durch die Gestaltung einer festen Tagesstruktur und Wochenablauf sowie im Jahreslauf durch die Einhaltung von Wochen- und Jahreszeitenrhythmen bettet das Kind in den großen Rhythmus des Zeitenlaufes ein. Sie geben ihm emotionale Sicherheit, stärken die gesunden Körperfunktionen und fördern schließlich die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

Im Waldorfkindergarten zeigen sich solche Sicherheit verleihende Rhythmen in der wiederkehrenden Zeitgestalt des Tages. So gliedert sich der Tag in der Regel in verschiedene Elemente wie Freispielphasen im Haus und im Garten, gemeinsames rhythmisches Gestalten im Reigen, dem Lauschen eines Märchens oder einer rhythmischen Geschichte, bestimmten hauswirtschaftlichen, handwerklichen oder künstlerischen Tätigkeiten. Zudem ist es wichtig, dass ein größerer Atem zwischen gemeinsamen Aktivitäten mit der ganzen Gruppe wie Spiele, Reigen, Tänze, Mahlzeiten und Geschichte hören und dem freien Spiel in kleineren Gruppen entsteht. Neben den Tätigkeiten wie Malen, Handarbeiten und Werken kommt den hauswirtschaftlichen Arbeiten eine größere Bedeutung zu.

Auch hier bieten sich ausreichend Möglichkeiten an, den interkulturellen Aspekten Raum zu geben. Wenn der Erwachsene kocht, Frühstück zubereitet, backt, abwäscht, putzt, Wäsche wäscht und legt, schaut das Kind gerne zu, fragt und erzählt und möchte später vielleicht selber mithelfen. So fühlt sich das Kind geborgen und „zu Hause". Wichtig ist auch eine Pause in der Mittagszeit, in der die Kinder nicht ständig in Kontakt miteinander sind.

Die Regelmäßigkeit im Wochenablauf sowie im Jahreslauf wird vom Kind als Sicherheit verleihender Rahmen erlebt und stärkt es emotional, wenn sie im Kindergarten als "rituell gegliedert" erlebbar wird. In solch einem tragenden Rahmen kann sich das Kind frei bewegen und sein Spiel selbständig gestalten.

Die Woche erhält ihre Form dadurch, dass bestimmten Wochentagen bestimmte Aktivitäten vorbehalten sind, z. B. das Aquarellieren oder der Frühstücksspeiseplan.
Der Jahresrhythmus orientiert sich an den Jahreszeiten und den Jahresfesten, die altersgemäß gefeiert werden. Dabei werden den Kindern keine festen Glaubensinhalte vermittelt, sondern Bilder, die einen allgemeingültigen Gehalt haben und Basis für eine religiöse Vertiefung in einem späteren Lebensalter sein können. Auf diese Weise ist es möglich, dass Kinder verschiedener Konfessionen und Religionen mit ganzer Hingabe teilhaben können. Der interkulturelle Kalender bietet eine Fülle an Festen, die für alle Kinder zu schönen und tiefen Erfahrungen werden können.

6.3              Integration im Interkulturellen Waldorfkindergarten Wilhelmsburg

Durch die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist „Inklusion“ zu einem Schlüsselbegriff des Bildungswesens geworden. Die in der Konvention anerkannten Rechte haben ihre Quelle in der Menschenwürde. Sie ist allen Menschen geschuldete Anerkennung ihres individuellen Menschseins und ihrer unbedingten Zugehörigkeit zur menschlichen Gemeinschaft. Der pädagogische Umgang mit Heterogenität ist in der Waldorfpädagogik von Anbeginn angelegt, indem das einzelne Kind in der Gemeinschaft im Mittelpunkt steht. Die zunehmende Individualisierung des Daseins kennzeichnet heute aber mehr noch als früher die Kindheit. Am Lebensort Kindergarten müssen daher individuelle Lernorte für verschiedene Lebens- und Lernwege geschaffen werden, die jedem Kind die Entfaltung der in ihm liegenden Möglichkeiten erlauben.

In unserer neuen Integrationsgruppe sehen wir es als unsere ganz besondere Aufgabe an, Kinder auf Grundlage der Waldorfpädagogik zu betreuen und fördern, deren seelisches Gleichgewicht durch konstitutionelle oder äußere Einflüsse gestört ist. Diese Problematik zeigt sich in körperlichen Behinderungen, Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen und seelischen Verletzungen. Aber auch Kinder ohne augenscheinliche Behinderung kommen in die Gruppe und leben gemeinsam den Kindergartenalltag. Jeder ist Teil der Gemeinschaft. Alle Vorteile des Lebens in der Gruppe kommen den behinderten Kindern genauso zugute wie den nichtbehinderten. Wir betrachten Integration als eine Methode, um unsere  Erziehungsziele für alle Kinder erreichbar zu machen.

Es bedarf für Kinder mit Behinderung der genauen Analyse des jeweiligen Lebensumfeldes. Dafür haben wir ein ausführliches Aufnahmeverfahren entwickelt. Mit diesem Wissen über das einzelne Kind  soll die Voraussetzung geschaffen werden, dem sich entwickelnden Kind mit einer Behinderung alle notwendige und mögliche Unterstützung zur Verfügung zu stellen und ihm die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Vor Aufnahme eines Kindes mit Behinderung leiten die Eltern Anamnesen und Diagnostik der entsprechenden Institutionen (Frühförderstelle, Frühdiagnosezentrum, Ärzte, etc.) an den integrativen Waldorfkindergarten weiter. Bei fehlender Diagnostik wird eine interdisziplinäre Diagnostik veranlasst. Ein ausführliches Gespräch mit den Sorgeberechtigten des Kindes ergänzt die externe Diagnostik. Die Fördermaßnahmen werden vom externen Fachpersonal gemeinsam mit den Eltern und den Kindergarten-Mitarbeiterinnen erarbeitet. Es findet ein Kompetenztransfer zwischen externem Fachpersonal und Kindergartenmitarbeiterinnen statt. Dazu wird eine schriftliche Verlaufsdokumentation erstellt. Einmal pro Jahr findet bezogen auf das Kind mit Behinderung eine Standortbestimmung, evtl. eine erneute Diagnostik und Neudefinition der therapeutischen wie pädagogischen Notwendigkeiten und Ziele statt.

Unsere Integrationsgruppe ist zunächst eine Kindergartengruppe wie jede andere. Es wird auf  folgende Punkte in unserer Integrationsgruppe  besonderen Wert gelegt:

  • Die Gruppengröße 

Die Elementargruppen in unserem Kindergarten sollen 26 Kinder nicht überschreiten. Kommen Kinder mit Behinderung hinzu, ist eine Verringerung der Gruppengröße unabdingbar. Die Aufnahme eines Kindes mit Behinderung sollte mindestens einhergehen mit einer Reduktion der Gesamt-Gruppengröße um je zwei Kinder. Im Ergebnis streben wir eine Gruppengröße mit 18 – 22 Kindern an, bei 3 –  5 Kindern mit Behinderung.

  • Räume und Ausstattung

Unsere neuen Räume in der Veringstraße 3 sind barrierefrei.  Es ist darauf geachtet worden, dass Rollstuhlfahrende Kinder den Kindergarten besuchen können. Dazu gibt es einen Fahrstuhl bis ins Hochparterre der Kita, entsprechend breite Türen, genügend große Räume für Wenderadien sowie ein Behinderten-WC. Ein Therapieraum bietet die Möglichkeit zu Einzel- und Kleingruppenarbeit.

  • Das Personal

Die Integrationsgruppe wird geleitet von einer fest angestellten Heilpädagogin. Ihr zur Seite stehen derzeit eine Sozialpädagogische Assistentin sowie eine Praktikantin und/oder eine Frau im Freiwilligen Sozialen Jahr. Männer im Team sind willkommen. Die Förderung von Kindern mit Behinderung findet gleichermaßen mittelbar statt durch Therapie- und Förderplanung, Praxisbegleitung, Anleitung, Konzeptberatung und Supervision in gemeinsamen Teambesprechungen mit dem Team und ggf. externem Fachpersonal. Die Mitarbeiterinnen erhalten kontinuierlich integrationsspezifische Fortbildung.

  • Externes Fachpersonal

Förderstunden werden in Abhängigkeit von der Behinderung von erforderlichen externen Fachkräften durchgeführt. Wir bauen ein Netzwerk an externen Therapeuten auf. Der pflegerische Teil wird vom Kindergartenpersonal übernommen. Die Förderarbeit unmittelbar am Kind  findet in begründeten Fällen als Einzelstunde mit dem Kind statt. Im Regelfall erfolgt sie in der Kindergartengruppe oder einer Kleingruppe nichtseparierend. Analog gilt dies auch für Therapiestunden (wie z.B. Logopädie, Krankengymnastik, Ergotherapie, Heileurythmie).

  • Elternarbeit

Das Wissen der Eltern von einem Kind mit Behinderung und die Ziele der Kinder und Eltern nehmen wir ernst und berücksichtigen sie in der Kindergartenarbeit. Wir gewährleisten Kontinuität und Verlässlichkeit insbesondere für Eltern und ihre Kinder mit Behinderung. In Elterngesprächen sorgen wir für einen guten Informationsfluss und die gemeinsame Abstimmung mit den Eltern zur partnerschaftlichen Förderung ihrer Kinder. Auf Elternabenden thematisieren wir die mit Integration einhergehenden Veränderungen in unserer Einrichtung.

Es werden in unserer Integrationsgruppe heilpädagogische Angebote und Maßnahmen in den Kindergartenalltag einbezogen, die auch allen anderen Kindern zu Gute kommt. Eine Integrationsgruppe eröffnet viele pädagogische Möglichkeiten wie z.B. Nachahmung, Motivation, Ansporn und Gleichberechtigung.  Durch ein reiches Angebot an künstlerischen und therapeutischen Maßnahmen werden die motorischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten der Kinder optimal gefördert.

Besonderen Wert legen wir auf  die Pflege der Sinne. Gerade in der Integrationsgruppe stehen uns häufig Kinder mit den verschiedensten Sinnes- und Wahrnehmungsstörungen gegenüber und benötigen eine intensive Förderung der Sinne. Besonders die basalen Sinne sind bei einem Kind im ersten Jahrsiebt von großer Wichtigkeit. Diese Sinne richten sich auf den eigenen Körper. Die Erfahrungen, die unmittelbar am und durch den eigenen Körper erworben werden bilden eine wichtige Grundlage für das Erleben des Zusammenhangs zwischen sich und der Welt. Es erfährt das Kind über die basalen Sinne nicht nur den eigenen Körper, sondern auch die räumliche Welt um es herum.

Auch das Spielen ist von allergrößter Bedeutung für die gesunde Entwicklung des Kindes. Es werden dabei einerseits sämtliche Lebenskompetenzen grundlegend geübt, angefangen von motorischen und sensorischen Fähigkeiten bis hin zu umfassender Welterfahrung und sozialer Lernmöglichkeit. Andererseits bietet das freie Spiel eine hervorragende Grundlage für die Entfaltung der Individualität des Kindes. Die Erzieher/innen schaffen dabei eine anregende Spielumgebung und geben dem Spielgeschehen durch Anregungen und Spielimpulse Hilfestellungen. Dadurch wirken sie entwicklungsfördernd auf das Kind.

Es besteht jederzeit die Möglichkeit für unsere Integrationskinder Einzeltherapien außerhalb der Gruppe in unserem Therapieraum wahrzunehmen. Wir stehen in einem intensiven Kontakt und Austausch mit externen Therapeuten, wie Logopäden, Ergo- und Musiktherapeuten, Heileurythmisten und Krankengymnasten, etc.. Die Integration der Heilpädagogik sowie der pflegerischen und therapeutischen Angebote in den Kita-Alltag erfordert ein enges Arbeiten zwischen den verschiedenen Fachkräften. Ziel ist es, einen gemeinsamen Weg für die Gestaltung der individuellen Entwicklungsförderung des Kindes zu finden und diesen regelmäßig gemeinsam zu reflektieren und anzupassen.

Die integrative Arbeit erfordert auch, dass für die Integrationskinder  besondere Formen der Verlaufskontrolle und Dokumentation geführt werden. Die Integrationskinder werden auf ihrem Weg durch unseren Kindergarten aufmerksam hinsichtlich ihrer Entwicklungsfortschritte beobachtet.

Der Leitgedanke jeglicher Art der Förderung ist das Bestreben nach Autonomie, Kompetenz und Soziabilität (im Sinne eines Eingebundenseins in die Gemeinschaft) des einzelnen Kindes. Wir möchten den Lebensraum von Kindern aus Einsicht in die am Kind abgelesenen Entwicklungsschritte gestalten und schützen. Gesund an Leib und Seele sollen sie mit ihren ureigensten Impulsen, Fähigkeiten und Initiativen willensstark die Zukunftsaufgaben ihrer Zeit ergreifen können.

6.4              Königskinderjahr

In der Waldorfpädagogik ist das letzte Kindergartenjahr ein besonderes: Die ältesten Kinder, die „Königskinder“,  sind nun die Großen in der Gemeinschaft und die Schulzeit beginnt für sie in Kürze.  Diesem Umstand trägt die besondere Würdigung des letzten Kindergartenjahres Rechnung: die kleineren Gefährten im Kindergarten schauen zu den Königskindern auf, die schon so viel mehr als sie selbst können.

Die Waldorfpädagogik bereitet diese Kinder in besonderer Weise für die Schule vor. Wir gewähren jedem Kind Freiraum für dessen individuelle Entwicklung. Da die Königskinder nun die „Großen“ sind, bekommen sie  im Kindergartenalltag auch besondere Aufgaben zugeteilt, die nur sie ausführen können. Sie unterstützen die Erzieherinnen in der Haushaltung, sie führen Aufgaben aus, die eine besondere Geschicklichkeit erfordern. Wir begleiten die Kinder so, dass sie gut in die Schule aufgenommen werden können, frühzeitig ihre Interessen herausfinden und ihre Lernbereitschaft anlegen können, während die Sozialkompetenz der Kinder durch allmähliche Übernahme von Verantwortung gestärkt wird. 

Die besondere Situation im letzten Kindergartenjahr wird durch besondere Handarbeiten und Werkstücke verdeutlicht, durch Eurythmie und fremde Sprachen, an die die Kinder herangeführt werden. Spaziergänge und Exkursionen in die Natur unterstützen die Besonderheit dieses Jahres. Sie entwickeln ihre Interessen so, dass es ihnen später leichter fällt in der Schule aufmerksam zu sein. Die Kinder sollen als Abschluss der Vorschulzeit in sich selbst und in mehreren Kulturen zuhause sein können.

Wir bereiten unsere Kinder durch eine besondere Sprachpflege und Sprachförderung auf die Schule vor. Wir integrieren ihre jeweilige Kultur in unseren Kindergartenalltag durch Lieder, Reime und Geschichten aus ihrer Kultur.

Wir arbeiten mit Liebe für und mit den Kindern.  Dafür ist  Beziehungsarbeit das wichtigste Instrument.  Wir gestalten den Tag mit den Kindern in Wahrhaftigkeit und Authentizität. Wir schaffen Vertrauen durch Rhythmus, Verlässlichkeit und Verabredung. Wir sind den Kindern und Eltern gegenüber offen und suchen die Verständigung, die wegen sprachlicher Schwierigkeiten große Sorgfalt erfordert. Unser Interesse gilt stets allen unseren Kindern und ihre Eltern.

Mit unseren Kindern wollen wir in Freude Schönheit erschaffen: Kindheit ist schön. Wir schaffen schöne und sinnhafte Werkstücke und Handarbeiten, wir gestalten schöne Reime und Geschichten. Die Kinder erfahren, wie den Werkstücken und Geschichten eine eigene Schönheit innewohnt. Damit unterstützen wir die Entwicklung eines, für diese Lebensphase geeigneten Selbstbewusstseins der Kinder und stärken sie damit in ihrer Identitätsbildung und in ihrem Interesse für die „Welt“. Wir würdigen die Kinder in der Besonderheit dieses letzten Kindergartenjahres. 

Wir Erzieher sind bereit zu lernen und Neues zuzulassen. Wir bemühen uns um Klarheit für die Eltern und untereinander. Wir kommunizieren im Kollegium, mit den Gremien des Hauses und den Schulen über unsere Pädagogik und die Bedingungen und Bedürfnisse.

Einen zentralen Stellenwert erhält die Sprachpflege und Sprachförderung, mit der unsere Kinder auf die Schule vorbereitet werden. Jedes einzelne Kind wird in unserem rhythmischen Alltag zum Sprechen, Singen und Reimen angeregt. Im Freispiel ergibt sich das freie Sprechen und Ausprobieren der zumeist fremden Sprache. Bei Bedarf ziehen wir Logopäden hinzu.

6.5              Kompetenzen im Bildungsverlauf

Die Bildungsziele in der Einrichtung sind ganz in den praktischen Alltag mit den Kindern eingebettet. Das Lernen in den ersten sieben Lebensjahren erfolgt nicht kognitiv abstrakt, sondern wird physisch erlebt und verarbeitet, um später ein sicheres Fundament für komplexe Lerninhalte zu bieten. Mit allen Sinnen soll erlebt und erlernt werden, da nur durch die gefühlte Realität im Kindesalter später Leistung und die Freude am Entwickeln eigener logischer Gedankenschlüsse möglich ist.

6.6              Sprachentwicklung und Sprachförderung

Sprache und Sprechen fangen nicht mit dem ersten Wort an, sondern mit dem sozialen Wechselspiel zwischen Eltern und Kind. An den Berührungen erlebt das Kind erste Empfindungen des Gegenübers und des Selbst. An dieser frühen Form von „Sprach"-Erfahrung gilt es in vielfältiger Weise im Kindergarten anzuknüpfen.

Zu Beginn des Kindergartenalters soll das Kind generell Fingerspiele mitspielen und mitsprechen. Manchmal kann ein Kind eine kleine Geschichte wiederholen. In den folgenden Jahren baut das Kind die Sprache weiter aus, verfeinert die Grammatik und vergrößert den Wortschatz. Inzwischen kommen aber immer mehr Kinder in den Kindergarten mit Sprachauffälligkeiten, einer undeutlichen und nicht altersgemäßen Sprache. Bei Kindern mit Migrationshintergrund ist häufig die Sprachentwicklung nicht altersgemäß: die Kinder sprechen ihre Muttersprache, aber im Deutschen sind große Defizite zu bemerken.

Dem wird im Waldorfkindergarten durch intensive Sprachpflege im Tagesverlauf Rechnung getragen durch die Reigen, in dem Morgen für Morgen 2 - 4 Wochen lang die gleichen Sprüche, Spielchen, Lieder gesprochen und gesungen werden, so dass die Kinder, ohne sich dessen bewusst zu werden, in die Sprache hinein tauchen können, dabei ein regelmäßiges Vorbild haben, das sich selbst genau artikuliert.

Immer wieder zwischendurch im Freispiel kann die Gelegenheit zur Binnendifferenzierung genutzt werden, einem sprachauffälligen Kind mit einem Fingerspiel, direkt in die Hand gespielt, weiter zu helfen, denn die Handinnenfläche wirkt auf das Sprachzentrum mobilisierend.
Als wichtig wird angesehen, dass die Erzieher als Vorbilder konzentriert und deutlich sprechen, denn sie müssen sich bewusst sein, dass sie auch die sprachlichen Vorbilder für die Kinder sind. Der Erziehende kann das Kind motivieren, selbst wohlklingend und gut artikuliert zu sprechen bzw. eine Lust an Klang, Lauten, Worten, Sprache zu empfinden. Eine hohe Verantwortung, der man nur gerecht wird, wenn man auch immer wieder an sich selbst arbeitet.

6.6.1        Spracherwerb

Kinder mit Migrationshintergrund haben meist einen sogenannten zeitversetzten Spracherwerb, d. h., sie lernen zunächst die Sprache, die in der Familie gesprochen wird, und treten häufig erst im Kindergarten mit der deutschen Sprache in Kontakt. Das Sprachvermögen in der Familiensprache der Kinder divergiert oft ganz erheblich, und Kinder, die man berechtigt als bilingual bezeichnen könnte, sind wenig vertreten.

Jedes Kind braucht sowohl beim Erst- wie auch beim Zweitspracherwerb oder auch bei zeitgleichem Erwerb von zwei Sprachen viel Zeit, um eine Sprache zu erlernen, und Spracherwerb wird vor allem durch die Beziehung des Kindes zu seinem Umfeld ermöglicht. Die gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung der Anderssprachigkeit durch die ErzieherInnen, aber auch die anderen Kindergartenkinder ist hier von Bedeutung. Durch das Vorbild und das Lernen der Kinder voneinander kann der Spracherwerb beschleunigt werden.

6.6.2        Mehrsprachigkeit

Die Wahrnehmung der Umwelt und die Verständigung mit anderen ist an die Sprache gekoppelt. Sprache ist zentral für soziale Begegnung, das Kernelement gelungener Integration und der Schlüssel zu Entwicklung und Bildung. Deshalb sollte Sprachförderung schon vor der Einschulung beginnen. Während der Kindergartenzeit ist die interkulturelle Sensibilisierung von Erzieherinnen und Eltern sehr bedeutsam, die über die einzelne Sprache hinausgeht. Integration setzt kulturelle Offenheit und die gegenseitige Würdigung der verschiedenen Sprachen voraus. Das Interesse an der Prägung des Menschen durch Kultur, Tradition, Religion und Muttersprache ist unerlässlich für die Erziehungsarbeit mit Kindern mit Migrationshintergrund bzw. nicht-deutscher Muttersprache. Ebenso sollten die Eltern dieser Kinder in die Arbeit der Kindergärten einbezogen werden.

6.6.3        Deutsch als Begegnungssprache

Für viele Kinder mit Migrationshintergrund findet das Leben im Kindergarten in einer ihnen nicht unmittelbar gut vertrauten Sprache statt, ohne dass übersetzt wird. Die ihnen fremde Sprache, die „Begegnungssprache Deutsch", wird nicht direkt vermittelt, sondern sie entfaltet sich eher indirekt an der Auseinandersetzung mit den Spiel- und Lerninhalten. Es wird nicht eigentlich „gelehrt", sondern es werden den Kindern die kulturellen Inhalte gezeigt, erlebbar gemacht, vorgeführt, so dass sie nachahmend aufgegriffen und im eigenen Handeln übernommen werden können. Der Sprachlernprozess entsteht durch den Hang zum Nachahmen, Nachsprechen der Laute, Wort- und Satzmelodien. So wiederholen die Kinder z.B. Worte, Sätze, Verse oder Lieder in der fremden Sprache zunächst ausschließlich nach dem Klang und evtl. begleitenden Gesten. In diesem Prozess der Nachahmung werden durch Wiederholungen die Strukturen und Gesetzmäßigkeiten der Sprache entdeckt. Hieraus entsteht schließlich das Verständnis für die Bedeutung des Gesprochenen, woraus sich Verstehen bildet.

Es ist aber äußerst wichtig, dass diesen Kindern die Elemente der für sie oft ungewohnten Alltagskultur in Liedern, Festen, Speisen, Märchen und Geschichten nahe gebracht werden, ohne jedoch ihre eigenen kulturellen Wurzeln zu verlieren. Eine gute Gepflogenheit ist es, wenn immer wiederkehrend auch die anderen Kulturen ihren festen Platz im Kindergartenalltag des Interkulturellen Kindergartens finden. So lernen alle Kinder fremde Märchen, Geschichten, Sitten und Gebräuche spielerisch kennen, an den interkulturellen Jahresfesten wird entsprechend auch zu fremden Musikinstrumenten gesungen, gefeiert, gekocht und gegessen, wie es in der jeweiligen Sprache des Landes, dessen Fest man feiert, üblich ist.

Der Schwerpunkt der Sprachförderung ist so eingebettet in die anderen Schwerpunkte der Arbeit mit den Kindergartenkindern, was vor allem durch die Sprach- und Bewegungsspiele im Elementarbereich gegeben ist. Die emotionale Stabilisierung des Kindes, die liebevolle Unterstützung, damit sich das Kind in die neue und fremde Umgebung integrieren kann, ist ebenso Grundlage wie die sprachliche Begleitung im oben ausgeführten Sinne. Alle Handlungen und alltäglichen Verrichtungen der ErzieherInnen werden vom pädagogischen Personal sprachlich begleitet, und der sprachliche Austausch der Kinder untereinander, vor allem auch der jüngeren von den älteren, sollte nicht unterschätzt werden. Das begleitete Freispiel, aber auch eine Sprachsituation in Kleingruppen bis hin zu gelegentlichen Einzelsituationen bietet methodisch vielerlei Fördermöglichkeiten.

6.7 KRIPPE (Kinder zwischen einem und drei Jahren)

Der Alltag in der Krippe unterscheidet sich von demjenigen der Elementargruppe, bedingt durch das Lebensalter der kleinen Kinder.

Auf ein gemeinsames Frühstück folgt eine Freispielzeit im Garten, unabhängig vom Wetter.

Gegen 11 Uhr essen wir gemeinsam zu Mittag und zwischen 12 und 14 Uhr halten wir eine Mittagspause, in der alle Kinder schlafen, nachdem sie individuell zu Bett gebracht worden sind. Kinder, die nicht in den Schlaf finden können, dürfen ruhen.

Im Schlaf kann sich das kleine Kind, noch ganz Sinnesorgan, regenerieren und die komplexen Erlebnisse des Vormittags verarbeiten, d. h. in den Organismus integrieren.

7.      Beobachtung und Dokumentation der kindlichen Lern- und Entwicklungsprozesse  

Ein weiterer, wichtiger Bestandteil unseres pädagogischen Konzepts (unserer Arbeit) ist das Verfahren der Beobachtung und Dokumentation. Es dient uns dabei, die (Lern)Entwicklung der Kinder systematisch zu erfassen und so eine Grundlage für die weitere Arbeit zu schaffen. Es kann auf diese Weise die Entwicklung der Kinder von Beginn unterstützt und jedes Kind individuell gefördert werden.

Die Beobachtungs-, Entwicklungs- und Bildungsdokumentation veranschaulicht unseren Blick auf das Kind und die Situation in der sich das Kind befindet. Das Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren ermöglicht uns einen Gesamtüberblick über die Entwicklung des Kindes und eröffnet uns Zugangsmöglichkeiten für eine längerfristig geplante Gestaltung der Umwelt des Kindes sowie der Interaktion mit ihm. Dies muss handlungsleitend für unsere tägliche Arbeit sein.

Auch trägt das regelmäßige Bearbeiten der Beobachtungs-, Entwicklungs- und Bildungsdokumentation dazu bei, die eigene Arbeit zu reflektieren und Ziele im Blick zu behalten. 

8.      Elternarbeit

Die gemeinsame Verantwortung für das Schicksal des Kindes ist das Grundanliegen unseres Interkulturellen Waldorfkindergartens in der Zusammenarbeit mit den Eltern. Elternarbeit findet auf den verschiedensten Ebenen statt:

  • Gruppenelternabende: In allen Gruppen finden regelmäßig Elternabende statt, auf denen immer auch über ein pädagogisches Thema mit den Eltern gearbeitet wird. Diese Arbeit an pädagogischen Fragen ist besonders wichtig, um den Eltern einen Einblick in die Arbeit mit den Kindern zu vermitteln und den Eltern Anregungen für ihren eigenen Erziehungsalltag zu geben.
  • Elterngespräche: Ein möglichst kontinuierlicher Austausch sollte mit den Eltern stattfinden. Je nach Situation werden kurze Gespräche beim Abholen geführt oder ein gesonderter Gesprächstermin wahrgenommen. Diese Zusammenarbeit ist für das Kind wichtig, weil Eltern und Kindergärtnerin mit ihren Gedanken, Empfindungen und Handlungen eine gemeinsame Hülle für das Kind schaffen können.
  • Elternmitwirkung: Bei Festvorbereitungen, dem Basar und der Pflege der Räume, der Möbel und des Spielzeugs helfen die Eltern bei Bedarf und ihren Möglichkeiten entsprechend mit.
  • Hausbesuche: Um das Kind in seinem häuslichen Umfeld kennen zu lernen, besuchen die Erzieherinnen gerne die Kinder und ihre Familien zu Hause.

9.      Vernetzungen mit Stadtteil und Patenschaften

Die Initiative muss im Stadtteil fest verankert sein. Von ihr soll ein Signal ausgehen, denn sie soll den Bewohnern der sozial benachteiligten Stadtteile vermitteln, in ihrem Quartier zu bleiben und die Zukunft aktiv mit zu gestalten. Das soziale und kulturelle Umfeld und persönliche Begegnungen prägen die Menschen, insbesondere in ihrer Jugend. Es beeinflusst maßgeblich Wertvorstellungen, Interessen und Ideale. Daher wird die Errichtung von Patenschaften angestrebt, beispielsweise mit Studenten des Waldorflehrerseminars oder mit Schülern der Hamburger Waldorfschulen. Die Begegnungen sollen dazu beitragen, Vorbilder zu finden und latent negativen Einflüssen im unmittelbaren Umfeld etwas Heilsames entgegenzusetzen.

10.  Qualitätsentwicklung / Qualitätssicherung

Der Kindergarten hat sich der Qualitätsgemeinschaft der Hamburgischen Vereinigung der Waldorfkindergärten angeschlossen. Hier werden in regelmäßigen regionalen Qualitätskonferenzen gemeinsam Themen aus der täglichen Arbeit im Sinne eines Austausches und der Weiterentwicklung zu einem „Best-Practice-Verfahren“ entwickelt. Die Arbeit orientiert sich an einem anerkannten, anthroposophisch inspirierten Verfahren, dem GAB-Verfahren zur Qualitätssicherung und -entwicklung. Mit dem GAB-Verfahren lässt sich ein individuelles, zur Kultur unserer Einrichtung passendes Qualitätsmanagement aufbauen. Mit ihm erfüllen wir alle an uns gestellten gesetzlichen Anforderungen wie z.B. die Anforderungen des Landesrahmenvertrages der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Kinderbetreuungsgesetz. Die Qualitätskonferenzen werden geleitet von einem freien GAB-Berater. Das GAB-Verfahren ebnet Wege, um inhaltlich bzw. in Qualitätsfragen zügig voran zu kommen. Es handelt sich um Arbeitsformen, die aus den Erfahrungen anthroposophischer Einrichtungen entwickelt wurden. Sie unterstützen die Qualitätsarbeit im Kindergarten und gemeinsam in der Region als Netzwerk. Die pädagogische Arbeit wird strukturiert weiter entwickelt; gleichzeitig bilden sich auf dem Weg neue Kompetenzen zur Gestaltung und Moderation von sozialen Prozessen. Eine intensivere Zusammenarbeit wird ermöglicht, der Zusammenhalt wächst.

Die Arbeit im Netzwerk der Hamburger Waldorfkindergärten wird im Interkulturellen Waldorfkindergarten weiter verfeinert und auf unsere speziellen Bedürfnisse und Anforderungen zugeschnitten. Die hierfür stattfindenden, regelmäßigen internen Konferenzen führen neben der Dokumentation des Qualitätssicherungsverfahrens zu einer fortlaufenden Weiterentwicklung der Qualität in unserer Einrichtung.

Stand Januar 2013

Hier zum Ausdrucken: pdf Konzept 2013