Kindergartenalltag im Waldorfkindergarten

- Der Tagesablauf -

Liebe und Freude

Die Waldorfpädagogik möchte das Kind in seiner Selbständigkeit und Individualität fördern und stärken. Dieses geschieht im Vorschulalter durch die Entwicklung der Sinne, gezielte Sprachförderung und künstlerisch-handwerkliche Tätigkeiten. Auch Jahresfeste und ihre Gestaltung sind zentrale Elemente der frühen Sinnespflege.

Die ersten Lebensjahre sind für die gesunde Entwicklung des Kindes außerordentlich wichtig. So legen wir besonders viel Wert auf eine gesunde Ernährung und auf eine rhythmische Gestaltung des Alltags. Eine bildhafte Ansprache sowie vielfältige Sinneserfahrungen stärken die seelische Entwicklung des Kindes, während Liebe, Freude, Wiederholungen in den Tagesabläufen neben stetiger Zuwendung durch die vertrauten Bezugspersonen dem Kind Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Auf diesen Grundprinzipien der Erziehung beruht auch das pädagogische Konzept unseres interkulturellen Waldorfkindergartens.

Sicherheit erfahren

In den ersten Lebensjahren ist das Kind noch ganz mit sich selbst und mit dem Erfahren der Welt, die es umgeben,  beschäftigt. Es ist auch die Phase des größten körperlichen Wachstums, wofür das Kind viel Kraft und Energie benötigt. Diese Kräfte regenerieren sich in einem festen und gut strukturierten Tagesablauf, in dem sich die Phasen von Aktivität und Ruhe regelmäßig abwechseln. Das Kind erfährt darinnen Sicherheit und es hilft ihm zu, einem eigenen geregelten Tagesrhythmus zu kommen. Die Kinder lernen auf gleiche Weise den Ablauf einer Woche, eines Monats und eines gesamten Jahreslaufs kennen.

Geborgenheit schaffen

Ein Geborgenheitsgefühl entsteht auch durch Schönheit, Klarheit und Ordnung, die sich in der Raumgestaltung wiederfindet. Ähnliches gilt auch für die Kleidung des Kindes: Genügend Bewegungsfreiheit, Wärme und Weichheit, zurückhaltende Farben und Muster geben ihm ein gutes Grundgefühl und lassen seine Individualität zum Ausdruck kommen.

Erleben der Natur

Kinder erleben die Vorgänge in der Natur im Wechsel der Jahreszeiten, die von Jahresfesten und ihren Bräuchen umrahmt werden, bewusst wie unbewusst. Durch eine liebevolle Pflege dieser Kultur entwickeln sie ein natürliches, von Konfessionen und Glaubensrichtungen unabhängiges religiöses Empfinden. Das Feiern der Jahresfeste kann in jeder Familie eine eigene Tradition und Verbundenheit schaffen, die oft ein Leben lang trägt.

Erzählen und Sprachentwicklung

Mit jeder Jahreszeit und mit jedem Alter der Kinder ist bestimmter Erzählstoff verbunden. Er besteht aus rhythmisch gestalteten Märchen, Geschichten und Versen aus aller Welt, in denen derselbe Sachverhalt immer wiederholt und erweitert wird. Die Geschichten regen die Gedächtnisleistung der Kinder an, ohne sie einseitig intellektuell zu belasten, und lassen das Kind gleichzeitig in den immer wiederkehrenden Rhythmus und den Klang der Sprache/Sprachen eintauchen.

Nachahmung und Entwicklung

Kinder lernen bereits durch Nachahmung grundlegende Fähigkeiten für ihr Leben. Im Waldorfkindergarten erleben sie in ihren Erziehern sinnvoll tätige Erwachsene, die ihre Tätigkeiten so einrichten, dass Kinder sie durchschauen, mit- und nachvollziehen können. So zieht eine Ordnung in die Gefühls- und Gedankenwelt des Kindes ein, die im Spiel verarbeitet und „nach außen gebracht wird".

Bedeutung des kindlichen Spiels

Das kindliche Spiel ist der Arbeit des Erwachsenen gleichzusetzen! So sollte das Spiel phantasievoll und frei sein, damit es die Sinne des Kindes anregen kann. Je einfacher das Spielmaterial ausfällt, desto vielfältiger ist es zu verwenden und desto mehr regt es die Phantasie des Kindes an, denn das Spielen und Lernen ist eine Zusammenwirkung von Kopf, Herz und Hand!

Temperamente

In der Zeitschrift "Erziehungskunst" vom Juli/August 2011 finden Sie folgenden Beitrag:

Die Temperamente sind die Farben der Seele

Von Elke Leipold, Juli 2011

Bei kleineren Kindern sind »Temperamentdiagnosen« mit Vorsicht zu genießen. Die Kindergärtnerin Elke Leipold begründet dies anhand von Beispielen.

Denke ich an Temperamente im Kindergartenalter, dann sehe ich Farben, die immer wieder in anderem Licht erscheinen, höre Töne, die immer wieder in anderen Tonarten erklingen. Eine weit verbreitete Ansicht ist: Bei Kindern im Kindergartenalter ist das sanguinische Temperament vorherrschend ... Das ist sicher nicht von der Hand zu weisen, doch wir sollten offen sein für wechselnde Konfigurationen und wechselnde Farben. Jedes Kind muss individuell angeschaut werden. Festlegungen sind - zumindest im Kindergartenalter - pädagogisch kontraproduktiv. Sie verbauen den Blick auf das ganze Wesen des Kindergartenkindes, sind Temperamentsäußerungen doch oft auch situationsgebunden und dementsprechend vielfältig...

Lesen Sie weiter: Die Temperamente sind...

Unser Tagesablauf

Der Kindergartentag beginnt immer mit der persönlichen Begrüßung durch unsere Erzieherinnen. Sie hilft Ihrem Kind, auch innerlich im Kindergarten anzukommen. Wenn alle Kinder bis spätestens 8.30 Uhr eintreffen, können sie die erste Freispielzeit ausführlich erleben. Unter Freispiel verstehen wir eine Spielsituation, in der die Kinder je nach Alter und Entwicklungsstand gemeinsame Spiele frei wählen, gestalten und auf individuelle Weise ihre Erlebnisse und Eindrücke verarbeiten können.

  8:30 - 10:00 Uhr

 

erstes Freispiel, besondere Arbeiten,

 

 

Reigen und abschließendes Aufräumen

10:00 - 10:30 Uhr

 

gemeinsames Frühstück

10:30 - 11:30 Uhr

 

zweites Freispiel

11:30 - 12 Uhr

 

Vorbereitung zum Schlafen und Ruhen,

 

 

erste Abholzeit

12:00 Uhr

 

Schlaf- und Ruhezeit

13:00 - 13:30 Uhr

 

Mittagessen, zweite Abholzeit

13:30  15:00 Uhr

 

drittes Freispiel im Haus oder im Garten

15:00 - 16:00 Uhr

 

vierte Abholzeit

Während des ersten Freispiels am Morgen sind die Erzieherinnen der ruhende Pol, begleiten und beobachten das Geschehen, geben Impulse und Anregungen. Während dieser Zeit gehen sie auch ihren hauswirtschaftlichen Tätigkeiten nach, die nachgeahmt werden können: Kochen und Backen, Waschen und Bügeln, Nähen, Werken und auch Putzen. Dabei schaut Ihr Kind ihnen gerne zu, fragt und möchte vielleicht selber mithelfen. So fühlt es sich geborgen und „zu Hause". Mit dem Aufräumen, dem Ordnen des Raumes endet das Freispiel.

Zwischen gemeinsamen Aktivitäten mit der ganzen Gruppe, wie Spiele, Reigen, Tänze, Mahlzeiten und Geschichte-Hören und dem freien Spiel in kleineren, Gruppen folgt immer eine kurze Ruhephase. Neben Malen, Handarbeiten, Werken und den hauswirtschaftlichen Arbeiten bereiten die Erzieherinnen auch Bewegungsspiele vor, die je nach Alter und Wesen von den Kindern aufgenommen und nachgeahmt werden können.

Wir bereiten das selbst zubereitete Frühstück gemeinsam vor und nehmen es in ruhiger Atmosphäre ein, in der auch Elemente einer guten Tischkultur Aufmerksamkeit finden. Es hat auf diese Weise sowohl einen beruhigenden als auch einen geselligen und gesellschaftlichen Charakter. Wir beginnen und beenden unser Frühstück - wie alle anderen Mahlzeiten auch - immer mit einem kleinen Dankspruch. Nach dem Abräumen und Spülen des Geschirrs ist es Zeit für das zweite Freispiel im Garten.

Der Stuhlkreis rundet unseren Vormittag ab. Dies ist die Zeit, in der die Kinder einem Märchen oder einer Geschichte lauschen, ein Puppenspiel anschauen oder in der wir gemeinsame Spiele spielen und Lieder singen. Kinder, die nicht am gemeinsamen Mittagessen teilnehmen, können jetzt auch abgeholt werden.

Durch Rhythmus werden gute Gewohnheiten angelegt. So sind beispielsweise das Waschen und Einölen der Hände vor dem Essen, das Bürsten der Haare, das Zähneputzen nach dem Mittagessen - wir kochen selbst und gesund! - wichtige Bestandteile der Tagesgestaltung, aber auch die Einhaltung einer Pause, in der die Kinder sich zurückziehen können. Die jüngeren Kinder können im Ruheraum einen Mittagsschlaf halten, während die größeren Kinder zu ruhigem Spiel angeleitet werden. Während der Schlafzeit der Kleinen ist eine der Erzieherinnen immer im Raum anwesend.

Wenn alle Kinder liebevoll geweckt und angekleidet sind, gibt es einen Nachmittagsimbiss, der den Beginn des dritten Freispiels einläutet. Am liebsten spielen die Kinder noch einmal ausgiebig im Garten, je nach Situation ist aber auch ein Spaziergang oder ein Freispiel im Gruppenraum möglich, bis sie ab 13:30 Uhr gleitend abgeholt werden.

In der Zeit zwischen 15:00 Uhr und 15:30 Uhr klingt unser Kindergartentag aus: Wir räumen gemeinsam die Sandkiste auf, fegen und ordnen den Gruppenraum - damit auch der kommende Kindergartentag wieder gut begonnen werden kann. Nach einem letzten Verabschieden schließt der Kindergarten.

Jahreslauf und Feste

Unser Jahresrhythmus orientiert sich an den Jahreszeiten und den Jahresfesten, die stets altersgemäß gefeiert werden. Dabei vermitteln wir Ihren Kindern keine festen Glaubensinhalte, sondern Bilder, die einen allgemeingültigen Gehalt haben und eine Basis für eine religiöse Vertiefung in einem späteren Lebensalter liefern  können. Auf diese Weise ist es möglich, dass Kinder verschiedener Konfessionen und Religionen mit ganzer Hingabe daran teilhaben können. Der interkulturelle Kalender bietet eine Fülle an Festen, die für alle Kinder zu schönen und tiefen Erfahrungen werden können.

In unserem Gruppenraum steht ein Jahreszeitentisch, den wir der Jahreszeit entsprechend dekorieren. Dazu wählen wir farbige Tücher aus, die den Farben der Natur nachempfinden, Blumenkinder, Jahreszeitenfiguren, Tiere und Naturmaterialien, wie Muscheln, Kastanien und Eicheln, Moos und Blumen, die die Jahreszeiten widerspiegeln.


Zitate: Sprache

Zitate: Vorbild und Nachahmung

Zitate: Spiel

Zitate: Schlafen und Wachen