Entwicklung des Kindes

Der Mensch lernt in seinem Leben nie mehr als in den ersten sieben Jahren und man darf nicht unterschätzen, welchen Einfluss diese Lebensspanne für das ganze weitere Leben eines Menschen hat. Es besteht in Elternhaus und Kindergarten die Aufgabe, eine die Entwicklung des Kindes fördernde Umgebung zu schaffen, damit positive Erfahrungen gemacht und soziale Kontakte gefördert werden können, wobei gleichzeitig ein gewisser Schutzraum gewährt wird, damit sich das Kind gesund entfalten kann. Die Fähigkeiten, die im ersten Jahrsiebt ausgebildet werden, werden von Karl König wie folgt beschrieben:

„In den ersten drei Jahren seiner kindlichen Existenz erwirbt der Mensch diejenigen Fähigkeiten, die ihm hier auf der Erde die Möglichkeiten seines Menschseins vermitteln. Er lernt im Ablauf des ersten Lebensjahres zu gehen, erwirbt im zweiten Lebensjahr das Sprechen und erlebt im dritten Lebensjahr das Erwachen des Denkens. Gehen, Sprechen und Denken haben ihn zum Menschen gemacht, haben ihn aus einem Geschöpf zu einem sich selbst erkennenden Wesen gemacht."

(Karl König, 1957)


Kindheit – Bildung – Gesundheit: Leitlinien der Waldorfpädagogik für die Kindheit von der Geburt bis zum dritten Lebensjahr

I. Gehen, Sprechen und Denken

Es gibt kaum etwas Eindrucksvolleres, als mitzuerleben, wie bei einem Kind in den ersten Lebensjahren seine Individualität nach und nach immer klarer erkennbar wird. Eltern erahnen diese Individualität oft schon vor der Geburt. Auch den Säugling scheint noch lange wie eine unsichtbare seelische Wolke seine Persönlichkeit zu umschweben. Wie ein Musiker durch sein Instrument etwas von seiner Persönlichkeit in die Welt tragen lernt, so verbindet sich das kindliche Wesen immer intensiver mit seinem Körper, der nun ein Leben lang seine Impulse in die Welt tragen wird...

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Erziehungskunst: Gehen - Sprechen - Denken


II. Vorbild und Nachahmung

Sie sind für das Kleinkind von großer Bedeutung, denn nicht, was wir sagen, wirkt auf das Kind, sondern, was wir tun und wer wir sind.

„Aber das Kind lernt eben nicht durch Belehrung, sondern durch Nachahmung."
                                                                                              R. Steiner

Lernen und Bildung finden durch die freie Nachahmung tätiger Vorbilder statt und für alles Lernen ist Beziehung, Freude und Bewegung wichtig. Das Kind im Kindergartenalter entwickelt sich weniger durch Belehrungen und lange Erklärungen als durch Nachahmung. Es ahmt nach, was die Bezugspersonen, also Mutter und Vater, Geschwister und die Erzieherinnen im Kindergarten tun - auch die Art und Weise, wie sie handeln und sprechen So entwickelt das kleine Kind im ersten Jahrsiebt die Fähigkeiten, die ihm ermöglichen, sich immer selbständiger in der Welt einzufügen. Die Erwachsenen in der Umgebung des Kindes werden so zum Vorbild. 

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Vorbild und Nachahmung


III. Die zwölf Sinne des Menschen - Sinneslehre

Der  Sinnespflege wird große Aufmerksamkeit gewidmet. Vielseitige Anregung der Sinnestätigkeit, wie z. B. durch differenziertes taktiles Wahrnehmen (Tastsinn), viel Bewegung zur Anregung des Gleichgewichtssinnes sowie Eigenwahrnehmung (großflächiges Bauen), Singen und Harfespielen zur Anregung des Gehörsinnes und des Fühlens wird angestrebt, wobei darauf geachtet wird, dass einer Reizüberflutung entgegengewirkt wird. Durch das Spielen mit Naturmaterialien (Muscheln, Kastanien im Kaufladen oder Wasser und Matsch im Garten) erlebt das Kind die Sinne unmittelbar und authentisch und erfährt keine „Imitate". Die Sinneserfahrung verstärkt die Eigenerfahrung und -wahrnehmung und führt zu einem positiven Selbstgefühl.

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Sinnespflege


IV. Das kindliche Spiel

Das Spielen-Können ist von entscheidender Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung. Hierdurch setzt es sich mit seiner Umwelt, mit den anderen Kindern auseinander und lernt, die Welt zu begreifen. Das freie Spiel im Kindergarten in den Gruppenräumen und im Garten fördern seine Initiative, Kreativität, Phantasie und seine Willensaktivität.

 .... Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt. Dieser Satz, der in diesem Au-genblick vielleicht paradox erscheint, wird eine gro-ße und tiefe Bedeutung erhalten, wenn wir erst da-hin gekommen sein werden, ihn auf den doppelten Ernst der Pflicht und des Schicksals anzuwenden; er wird, ich verspreche es Ihnen, das ganze Gebäude der ästhetischen* Kunst und der noch schwierigeren Lebenskunst tragen. ...

(Friedrich Schiller)

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Das kindliche Spiel


V. Phantasiekräfte

Freie und schöpferische Kräfte braucht der Mensch - das Kind sowie der Erwachsene, um sich kreativ ins Leben hineinstellen zu können. Die Grundlage dafür bildet die Entwicklung der Phantasiekräfte. Beim kleinen Kind können sich diese Kräfte durch das Spiel, durch Märchen und Geschichten, das künstlerische Tun und Sinneserfahrungen entwickeln. Kann der Erwachsene auf ein im Kindesalter angelegtes Potential zurückgreifen, so fallen ihm eine schöpferische Lebensgestaltung, Problemlösungen und geistige Beweglichkeit leichter...

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Phantasiekräfte


VI. Rhythmische Abläufe

Regelmäßigkeiten im Tagesablauf durch die Gestaltung einer festen Tagesstruktur und Wochenablauf sowie im Jahreslauf durch die Einhaltung von Wochen- und Jahreszeitenrhythmen bettet das Kind in den großen Rhythmus des Zeitenlaufes ein. Sie geben ihm emotionale Sicherheit, stärken die gesunden Körperfunktionen und fördern schließlich die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes. Rhythmische Abläufe fördern die seelische Ausgeglichenheit des kleinen Kinder, schaffen Sicherheit und Vertrauen, Ruhe und Kraft.

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Rhythmische Abläufe


VII. Sprachkompetenz und Musikerziehung

1. Sprachkompetenz

Die Sprache ist das Mittel, um mit anderen Menschen in Beziehung zu treten und seine Gedanken und Gefühle zu äußern. Kinder beginnen ganz individuell mit dem Sprechen, aber sie brauchen die Erwachsenen als gute Vorbilder, um sich die Sprache auch anzueignen...

Gerade in einem interkulturellen Waldorfkindergarten ist es besonders wichtig, dass die deutsche Sprache als Begegnungssprache gefördert wird, aber die verschiedenen Muttersprachen der Kinder geachtet und einbezogen werden...

2. Musikerziehung

Musik fördert die Entwicklung des Kindes - eine Tatsache, die inzwischen auch von der Forschung erkannt wurde. Die Sprach- und Musikerziehung haben seit eh und je im Waldorfkindergarten einen hohen Stellenwert, und gerade das musikalische Element ist im ersten Jahrsiebt von großer Bedeutung, gehört zum Kindergartenleben hinzu und wird regelmäßig gepflegt.

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VIII. Bewegung und Spiel

Bewegung und Spiel, das sind die grundlegenden Ausdrucksformen des Kindes. Dadurch lernt es seinen Körper kennen, stärkt ihn und übt sich dabei in Körperbeherrschung. Außerdem beeinflusst die Fähigkeit, sich zu bewegen, nachweislich den Spracherwerb...

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IV. Naturwissenschaften im Waldorfkindergarten?

"Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information."

Albert Einstein

Diese Äußerung Einsteins, dass Lernen Erfahrung sei, bedeutet für den Erwachsenen, für den Waldorferzieher, dass er den Kindern in vielen Bereichen Erfahrungsmöglichkeiten verschafft. Unsere Kinder wachsen hier und heute oft in einer Welt auf, die ihnen einen großen Teil echter Erfahrungen vorenthält, denn viel zu häufig erhalten sie Informationen aus den verschiedensten Medien und nicht durch eigene Anschauung oder eigenes Tun...

Mehr dazu unter: Naturwissenschaften im Waldorfkindergarten?


X. Umgang mit Medien

"Der gefrorene Blick" von R. Patzlaff

Medienkompetenz im richtigen Alter ist auch in der Waldorfpädagogik ein Ziel. Wodurch nun entsteht eine wirkliche Medienkompetenz? Nicht durch häufige Mediennutzung in der frühen Kindheit, sondern dadurch, dass das Kind ganz andere Kompetenzen erwerben kann, die einem späteren Kompetenzerwerb vorausgehen müssen...

Mehr dazu unter: Umgang mit Medien


XI. Wie entsteht Gesundheit?

Gesundheit ist nicht gleichzusetzen mit Abwesenheit von Krankheiten, bedingt z. B. durch Kinderkrankheiten, Verletzungen, Ansteckungen, genetisch bedingten Ursachen. Kinder können auch an ihren Lebensumständen erkranken. Schon kleine Kinder fühlen sich vereinsamt, weil ihnen die liebevolle Bezugsperson fehlt, Geschichten hören sie vielleicht ausschließlich von einem Kassettenrecorder oder verbringen schon als Kleinkinder viel Zeit vor dem Fernseher...

Weiter unter: Wie entsteht Gesundheit?


XII. Temperamente

Bei kleineren Kindern sind »Temperamentdiagnosen« mit Vorsicht zu genießen. Die Kindergärtnerin Elke Leipold begründet dies anhand von Beispielen.

Denke ich an Temperamente im Kindergartenalter, dann sehe ich Farben, die immer wieder in anderem Licht erscheinen, höre Töne, die immer wieder in anderen Tonarten erklingen. Eine weit verbreitete Ansicht ist: Bei Kindern im Kindergartenalter ist das sanguinische Temperament vorherrschend ... Das ist sicher nicht von der Hand zu weisen, doch wir sollten offen sein für wechselnde Konfigurationen und wechselnde Farben. Jedes Kind muss individuell angeschaut werden. Festlegungen sind - zumindest im Kindergartenalter - pädagogisch kontraproduktiv. Sie verbauen den Blick auf das ganze Wesen des Kindergartenkindes, sind Temperamentsäußerungen doch oft auch situationsgebunden und dementsprechend vielfältig...

Lesen Sie weiter: Die Temperamente sind...

Das gesamte o. a. Heft ist dem Thema Temperamente gewidmet. Schauen sie doch einmal hinein:

Erziehungskunst Juli/August 2011


XIII. Sympathie und Antipathie

Unter der Rubrik-Überschrift "Sympathie & Antipathie" hat die Zeitschrift im Dezember 2011 eine Artikelsammlung veröffentlicht, die wir Ihnen hier zum Lesen empfehlen möchten:

Sympathie und Antipathie


XIV. Sonstiges

Bindung ist Voraussetzung für Bildung

Von Armin Krenz

Erkenntnisse der Bindungs- und Hirnforschung weisen immer auf eine Grundtatsache hin: Nachhaltige Bildungsarbeit setzt enge Bindungen zwischen Menschen voraus. Bildung entsteht aus Bindung. Sie ist getragen von Nähe, Aufmerksamkeit, Zuneigung, Interesse, Staunen, Neugierde und Zutrauen...

Lesen Sie weiter unter: Erzieungskunst, Oktober 2011


Warum Kinder trotzen

Von Monika Kiel-Hinrichsen, November 2009

Franziska kommt mit ihren beiden Kindern vom Einkaufen. Auf dem Rücken den Rucksack mit dem Einkauf, vorne auf dem Arm den sechs Monate alten Tom, unter den Arm geklemmt eine Packung Windeln. Die zweijährige Svea kann bereits alleine die Treppen steigen. Sie müssen in den zweiten Stock hoch. Auf dem Weg fängt Svea an zu nörgeln: »Ich will auch auf den Arm«. Franziska schaut sie ungläubig an, erklärt, dass das nicht gehe, dass doch schon Tom auf dem Arm sei und die Windeln ... Svea bleibt beharrlich, fängt an, laut durch das Treppenhaus zu schreien, schmeißt sich auf den Boden und tritt nach ihrer Mutter, die inzwischen »schweißgebadet« dasteht. Sie versucht, ihr gut zuzureden, dass sie erst Tom nach oben bringe und dann sie hole, doch Svea schreit...

Lesen Sie weiter unter: Erziehungskunst Nov09


Frühe Kindheit

Die Zeitschrift "Erziehungskunst" bietet online in der Rubrik Frühe Kindheit die verschiedensten Artikel zum Thema an.

Mehr unter: Frühe Kindheit - Erziehungskunst

Den Leib gesund aufbauen - Entwicklung in den ersten sieben Lebensjahren

Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit und Sicherheit, mit welchem Vertrauen und mit welcher Lebensfreude einem das kleine Kind gegenübertritt. Der Kinderarzt Karl-Reinhard Kummer beschreibt die wichtigsten Hürden, die das heranwachsende Kind bis zum Schuleintritt bewältigen muss.

Erziehungskunst Juni 2010


Jahrsiebte: Naturgegebenheit oder gesellschaftliches Konstrukt?

Von Peter Loebell

Oft wird behauptet, die sogenannte »Lehre von den Jahrsiebten«, die für Waldorfpädagogen zentral ist, entbehre jeder empirischen Grundlage. Dass der Zahnwechsel Ausdruck einer Geburt des »Ätherleibes« ist und die Geschlechtsreife mit der Geburt des »Astralleibes« zusammenhängt, wird als mystische Spekulation belächelt. Peter Loebell von der Freien Hochschule Stuttgart zeigt, dass die Jahrsiebte mit den Befunden der empirischen Forschung vereinbar sind...

Lesen Sie weiter unter: Erziehungskunst, Juni 2010


Jesper Juul: Beziehung - Wie sie zwischen Eltern und Kindern gelingt

Bereich: Kinderzeit - Bindung und Beziehung

„Erziehen hat für mich nichts damit zu tun, das Verhalten eines Kindes zu korrigieren und zu maßregeln. Es bedeutet meiner Meinung nach vielmehr, einem Kind zu helfen, erwachsen zu werden, es sozusagen ins Leben hineinzuziehen", sagt der dänische Familientherapeut und Buchautor...

Weiter unter: Bindung und Beziehung


Die Umgebung erzieht die Kinder

In der Zeit von der Geburt bis zur Schulreife sind drei Entwicklungsphasen zu beobachten. Es sind Phasen des Erwachens an der Welt. Ihre Kenntnis kann helfen, kleine Kinder besser zu verstehen und sie nicht unnötig zu überfordern.

Lesen Sie mehr unter: Erziehungskunst, November 2011, Die Umgebung erzieht die Kinder


»Man sieht nur mit dem Herzen gut« – oder wie Eltern Erziehungskünstler werden

Die Erziehung eines Kindes scheint heute für viele Eltern eine fast nicht zu bewältigende Aufgabe. Physische und psychische Verwahrlosung, Schulversagen, zunehmende Gewalt unter Kindern und Jugendlichen – das sind Schlagworte, die uns täglich in den Medien begegnen. Mit Ratgebern zum Thema »Erziehung« lassen sich mehrere Regalmeter füllen. Erziehungsgurus pilgern durch die Talkshows. Während die einen mehr Strenge und Disziplin anmahnen, fordern die anderen eine Rückkehr ins Bullerbü-Idyll.

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Die Welt ist gut

Von Philipp Gelitz, September 2014

In den ersten sieben Lebensjahren geschieht fast alles Lernen durch unbewusste Nachahmung der Umgebung. Nachahmung ist zu dieser Zeit der hauptsächliche Weltzugang des Kindes. In vollständiger Hingabe macht es die unbewusste Annahme, dass alles in der Welt gut sei. Wer Kinder erzieht, sollte das im Blick haben...

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Lebensprozesse: das Geheimnis der seelischen Entwicklung

Von Sophie Pannitschka, September 2014

Mit wenigen Worten hat Rudolf Steiner die Lebensprozesse benannt und an einigen Stellen seines Werkes beschrieben. Dennoch haben es diese sieben Prozesse geschafft, zu Leitmotiven in der Waldorfpädagogik zu werden...

Mehr: "Lebensprozesse..." - Erziehungskunst Sept14


02.05.15

Die Empfindungsseele

Von Ronald Templeton, Mai 2015

Die Empfindungsseele ist ein kostbares Organ, das sich im Wechselspiel mit den äußeren Eindrücken im Innern des Menschen bildet...

Mehr: Erziehungskunst Mai15 - Die Empfindungsseele


Zitate: Entwicklung